«Sensationeller Sieg» für Hamilton in Monte Carlo

Nach dem Sieg beim verpatzten Heimrennen seines Widersachers Nico Rosberg breitete der von der Mercedes-Stallregie begünstigte Monte-Carlo-Gewinner Lewis Hamilton auf dem Podium erleichtert seine Arme aus.

«Sensationeller Sieg» für Hamilton in Monte Carlo
Srdjan Suki «Sensationeller Sieg» für Hamilton in Monte Carlo

Der Weltmeister feierte beim Formel-1-Klassiker seinen ersten Grand-Prix-Erfolg seit sieben Monaten und dem WM-Triumph in Austin. Hamilton nutzte das angeordnete Überholmanöver gegen Rosberg in der frühen Phase eines ereignisreichen Regen-und-Sonne-Rennens und profitierte in Monaco noch von einem verhängnisvollen Reifenstopp von Premieren-Pole-Mann Daniel Ricciardo im Red Bull. Dritter wurde Sergio Perez im Force India.

«Gott sei Dank ist es so gelaufen, wie ich es mir erhofft habe. Es war ein großartiges Wochenende», sagte der glückliche Hamilton nach dem Ende seiner Durststrecke. «Mir fehlen die Worte, ich habe für so einen Tag gebetet. Ich fühle mich gesegnet.» Für Daimler-Chef Dieter Zetsche war es ein «sensationeller Sieg». Er lobte vor allem Hamiltons Stallrivalen. «Nico hat mitgeholfen, dass Lewis gewinnen konnte», betonte Zetsche. «Es war ein Teamdienst.»

Rosberg verpasste den ersehnten vierten Sieg in Monaco als Siebter deutlich, Sebastian Vettel kam im Ferrari als Vierter auch nicht aufs Podest. Nico Hülkenberg gelang in seinem Force India als Sechster und einem späten Überholmanöver gegen Rosberg sein bestes Saisonergebnis, Manor-Mann Pascal Wehrlein musste sich mit Position 14 begnügen. Rosberg bleibt mit 106 Punkten an der Spitze der Fahrerwertung, Hamilton liegt als Zweiter nun aber nur noch 24 Zähler hinter seinem Stallrivalen.

Sechs Runden mussten Weltmeister Hamilton & Co. darauf warten, endlich richtig Gas geben zu dürfen. Denn wegen mehr oder weniger starken Regens musste der Klassiker in Monte Carlo hinter dem Safety Car eingeläutet werden. «Wir sollten das Rennen jetzt endlich starten», funkte dann Hamilton wie auch einige weitere Piloten ungeduldig. Die Sicht sei schließlich besser geworden.

An der Rangfolge an der Spitze änderte sich nach der Freigabe erstmal nichts. Ricciardo fuhr nach seiner ersten Karriere-Pole souverän vorneweg, dahinter lagen Rosberg und ein drängelnder Hamilton; Vettel und Hülkenberg folgten.

Nach nur wenigen Kilometern wurde das Feld jedoch wieder eingebremst. Das Virtuelle Safety Car kam nach einem Crash von Renault-Mann Jolyon Palmer in die Leitplanke zum Einsatz. Und Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen demolierte nach einem Fahrfehler in der Loews-Kurve die Front seines Ferrari. Die Stewards untersuchten den Vorfall um den Finnen, an dem auch Romain Grosjeans Haas Schaden nahm.

Als erster aus dem Führungsfeld wechselte Vettel auf die schnelleren Intermediates. Die Aufmerksamkeit richtete sich nach dem fatalen Crash von Barcelona vor zwei Wochen aber vor allem auf Rosberg und Hamilton. Der gebürtige Wiesbadener bekam Probleme mit der Bremstemperatur an seinem Silberpfeil und erhielt von der Box die Anweisung, seinen deutlich schnelleren britischen Teamkollegen passieren zu lassen. Der WM-Spitzenreiter gehorchte.

Nirgendwo kommt dem ersten Startplatz so eine Bedeutung zu wie in Monaco: In den vergangenen zwölf Jahren zuvor gewann zehnmal der Fahrer auf der Pole - und Ricciardo ließ keinen Zweifel daran, dass er auch am Sonntag diese Serie auf dem 3,337 Kilometer langen Kurs fortsetzen wollte. Hamilton übernahm nach einem Stopp des Australiers die Führung und erlebte nach seiner Defektserie endlich einen Grand Prix ohne Enttäuschungen. Probleme seien für ihn mittlerweile Normalität geworden, hatte der Weltmeister eingeräumt.

Es entwickelte sich ein Reifenpoker. Hamilton ließ an seinem Mercedes in der 31. Runde den lila markierten ultrasoften Gummi aufziehen. Zwei Umläufe später kam Ricciardo an die Box und erlebte ein Debakel, denn seine Red-Bull-Mechaniker waren für einen Reifenwechsel offensichtlich gar nicht vorbereitet. «Ich wurde in die Box gerufen, sie hätten bereit sein müssen», kritisierte Ricciardo. «Es tut wirklich weh.»

Hamilton behielt die Führung und wollte sie natürlich auch nicht mehr hergeben. In einem grenzwertigen Manöver versperrte er dem fast gleichauf fahrenden Ricciardo die Durchfahrt. «Was zum Teufel war das?!», schimpfte der Mann aus Perth. Die Rennkommissare kündigten derweil eine Untersuchung an - sahen aber von einer Strafe für Hamilton ab, dem 2015 eine fatale Durchsage von der Mercedes-Box den Sieg gekostet hatte. Für Spanien-Gewinner Max Verstappen war das hochspannende Rennen nach einem Einschlag in die Mauer mit seinem Red Bull vorzeitig beendet.