Senta Berger über Shakespeare und Orson Welles

Baden (dpa) - In der Karriere von Senta Berger hat Shakespeare keine große Rolle gespielt. Weder die «Viola» noch die Katharina» wurden ihr angeboten, und die «Jessica» mit Orson Welles fiel leider ins Wasser.

Senta Berger über Shakespeare und Orson Welles
Andreas Gebert Senta Berger über Shakespeare und Orson Welles

Jetzt setzt die Schauspielerin dem «großen Geschichtenerzähler» ein Jahr vor dessen 450. Geburtstags ein eigenes Denkmal: Im Festspielhaus Baden-Baden in Baden-Württemberg rezitiert sie an diesem Sonntag aus seinen Werken. Begleitet wird die 72-Jährige von der Baden-Badener Philharmonie mit Vertonungen von Shakespeare-Stücken. Die Liste reicht von William Walton über Hector Berlioz bis Peter Tschaikowsky.

Frage: Frau Berger, wie lautet Ihre Antwort auf die Frage «to be or not to be»?

Antwort: Mit William Shakespeare: «Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler ...» - ein kluger Satz.

Frage: Welche Figur von Shakespeare reizt Sie besonders, wen würden Sie gerne verkörpern?

Antwort: Jede junge Schauspielerin möchte erst die «Viola» in «Wie es Euch gefällt» spielen. Ein junges Mädchen, das sich als Junge verkleiden muss, um zu überleben und in das sich die schöne Olivia rettungslos verliebt, während unsere verkleidete Viola sich in den Verehrer von Olivia verliebt. Alle Verwirrungen der Gefühle, alle Turbulenzen der Liebe mit all ihren Möglichkeiten hat Shakespeare hier beschrieben und bietet Schauspielern wahrhaftig eine Bühne.

Frage: Und haben Sie «Viola» gespielt?

Antwort: Ich habe sie bei der Aufnahmeprüfung ins Reinhardt-Seminar, der berühmten Schauspielschule in Wien, vorgesprochen. Von unten, da wo die über mein Schicksal zu befindende Kommission saß, kam ein Seufzen: «Ach, nicht schon wieder die Viola ...» Offensichtlich hatten schon etliche Mädchen vor mir die Rolle gewählt. Gespielt habe ich sie nie und auch nicht die Katharina in «Der Widerspenstigen Zähmung», die ich mir als Rolle gewünscht hätte. Später sollte ich die Tochter Jessica des «Kaufmanns von Venedig» spielen - in einem Film mit Orson Welles. Nach zwei Drehwochen ging der Produktion das Geld aus, und alle mussten wieder aus Venedig abreisen. Ja, die Jessica mit Orson Welles - die hätte ich schon sehr gerne gespielt.

Frage: Was macht für Sie den besonderen Reiz von Shakespeare aus?

Antwort: Seine Klugheit. Seine Lebensweisheit. Seine Neugierde. Sein komödiantisches Talent. Er ist der große Geschichtenerzähler. Alle Autoren, die später kamen, haben von ihm gelernt. Auch Goethe hat das bekannt.

Frage: Was glauben Sie, mit welchen Themen würde sich ein moderner Shakespeare beschäftigen?

Antwort: Mit den gleichen, wie vor Jahrhunderten zu seiner Zeit. Mit den archaischen Themen: mit Macht und Machtmissbrauch, mit Krieg und Lobbyismus, mit dem Finanzwesen, mit Liebe und Eifersucht. Eben mit dem Leben und dem Tod.