Tödliches Virus auf Reisen: Erster Mers-Fall in Thailand

Erstmals ist eine Mers-Erkrankung in Thailand registriert worden. Es handele sich um einen 75-Jährigen aus dem arabischen Raum, teilte das Gesundheitsministerium mit. Der Patient stehe in der Stadt Nonthaburi unter Quarantäne.

Er war am Montag per Flugzeug aus dem Nahen Osten eingereist, um sich wegen Herzproblemen in einer Privatklinik behandeln zu lassen. Dort hegte ein Arzt den Verdacht auf Mers.

Die alarmierte Regierung leitete Tests ein und stellte den Mann im Bamrasnaradura Infectious Disease Institute unter Quarantäne. Vorsichtshalber isolierten Experten auch drei Angehörige des Mannes, 56 mögliche Kontaktpersonen wurden beobachtet.

«Mit dem Ausbruch in Südkorea steht dieser Fall nicht in Verbindung», betonte Prof. Christian Drosten von der Universitätsklinik Bonn. «Er ändert also nicht die Einschätzung der Gefahr, die vom koreanischen Ausbruch ausgeht», so der Experte von der Gesellschaft für Virologe.

Unterdessen stieg die Zahl der Opfer in Südkorea unvermindert an: Seit Mittwoch starben drei weitere Patienten, wie die Behörden mitteilten. Die Zahl der Toten kletterte damit auf 23. Bis Donnerstag waren 165 Mers-Fälle bestätigt. 17 Erkrankte schwebten in Lebensgefahr, 6700 Menschen standen unter Quarantäne. Mitten in der Krise stärkte die Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, der Regierung den Rücken.

Die Gesundheitsbehörden des Landes waren wegen der zunächst schwerfälligen Reaktion auf den Ausbruch kritisiert worden. «Es war zu Anfang ein langsamer Start, doch folgte darauf eine epidemiologische Detektivarbeit von Weltklasse», sagte Chan am Donnerstag in Seoul. Die WHO sehe den Kampf gegen die Atemwegserkrankung inzwischen «auf einem sehr guten Fundament». 

Das hohe technische Niveau erlaube es, die Ausbreitung der Krankheit in Echtzeit zu verfolgen. «Die Reaktion in diesem Land ist sehr rasch verstärkt worden», lobte die WHO-Chefin, die zu einer Internationalen Konferenz von Krankenpflegern in Seoul angereist war.

Den Behörden war unter anderem vorgeworfen worden, betroffene Kliniken nicht ausreichend kontrolliert zu haben. So wurden bisher 80 Mers-Kranke, darunter Patienten, Pflegepersonal und Besucher, mit dem Samsung Medical Center in Seoul in Verbindung gebracht, einem der modernsten und größten Krankenhäuser des Landes. Die Klinik hatte den Betrieb am vorigen Wochenende teilweise eingestellt. 

Der Ausbruch in Südkorea ist der größte außerhalb der arabischen Halbinsel, wo der Erreger erstmals 2012 in Saudi-Arabien nachgewiesen wurde. Die WHO hatte die Situation am Mittwoch als Weckruf bezeichnet und die internationale Gemeinschaft zu Wachsamkeit aufgerufen. Dennoch besteht nach Einschätzung der Organisation kein Anlass für die Ausrufung eines weltweiten Gesundheitsnotstands. Erster bestätigter Mers-Kranker in dem Land war im Mai ein 68-Jähriger, der von einer Nahost-Reise zurückgekehrt war.

Das Mers-Virus (Middle East Respiratory Syndrome) gehört wie viele Erkältungsviren und der Sars-Erreger zu den Coronaviren. Typische Symptome des «Middle East Respiratory Syndrome» sind Fieber, Atemprobleme, Lungenentzündung und Nierenversagen.