Sexwale zieht zurück - FIFA-Kongress stimmt Reformen zu

Kurz vor Beginn der FIFA-Präsidentschaftswahl ist das Bewerberfeld für die Nachfolge von Joseph Blatter auf vier Kandidaten geschrumpft. Der chancenlose Außenseiter Tokyo Sexwale gab am Ende einer launigen Rede vor dem Kongress des Fußball-Weltverbands in Zürich seinen Rückzug bekannt.

Sexwale zieht zurück - FIFA-Kongress stimmt Reformen zu
Patrick B. Kraemer Sexwale zieht zurück - FIFA-Kongress stimmt Reformen zu

«Ich lasse nur vier Leute übrig. Es ist euer Problem jetzt», sagte der Südafrikaner bei seiner Ansprache vor den 207 Wahl-Delegierten. «Es war eine gute Zeit für mich, ich bin bereit zu dienen, meine Kampagne ist zu Ende.»

Um die Nachfolge von FIFA-Chef Joseph Blatter treten nun noch die Favoriten Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa und Gianni Infantino sowie Jérôme Champagne und Prinz Ali bin al-Hussein an. Sexwale hatte nicht einmal die Unterstützung seiner afrikanischen Heimatkonföderation. Eine Wahlempfehlung für einen seiner Konkurrenten gab er aber nicht.

Nachdem die FIFA-Mitglieder ein umfassendes Reformpaket verabschiedet hatten, verteidigte Infantino in der letzten Wahlkampfrede seine finanziellen Versprechungen. «Ich frage Sie alle: Wenn die FIFA fünf Milliarden einnimmt, können wir dann nicht 1,2 Milliarden reinvestieren», sagte der Schweizer. «Das Geld der FIFA ist Ihr Geld. Das Geld der FIFA muss der Entwicklung des Fußballs dienen.» Für diese Aussage erhielt Infantino Extra-Applaus.

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa, größter Kontrahent auf die Nachfolge des gesperrten Amtsinhabers Joseph Blatter, hatte Infantino vorab scharf für seine wirtschaftlichen Pläne kritisiert. Der Schweizer will die Finanzmittel für die FIFA-Mitgliedsverbände mehr als verdoppeln und pro Nation je fünf Millionen Dollar (4,5 Millionen Euro) für vier Jahre auszahlen, sollte er gewählt werden.

Top-Favorit al Chalifa wies vor den Delegierten auf die in seiner Konföderation Asien bereits vollzogenen Reformen hin. Kernelemente der kurz zuvor verabschiedeten Statutenänderung des Weltverbandes seien in seinem Heimatverband schon umgesetzt worden. Der 50-Jährige schlug am Freitag in Zürich die Einrichtung eines Jugend-Rates vor, um dem Fußball-Nachwuchs eine Stimme zu geben. Im ersten Wahlgang sind zwei Drittel der Stimmen der 207 Delegierten für einen Sieg erforderlich, danach reichen mehr als 50 Prozent.

Bei der Abstimmung über die dringend notwendigen Reformen votierte die notwendige Drei-Viertel-Mehrheit für das Paket, das unter anderem eine Machtbeschränkung für den Präsidenten und die Exekutivmitglieder vorsieht. Insgesamt stimmten 179 von 207 Verbänden für die Reformen, 22 lehnten diese ab, sechs Verbände gaben kein Votum ab.

Ohne die Umstrukturierungen der Statuten wäre die Amtszeit des neuen Präsidenten schon mit einem schweren Makel belegt gewesen. Zudem wäre in der Korruptionsaffäre vor allem der Druck der US-Behörden noch weiter gestiegen.

«Wir müssen eine Botschaft an die Welt richten, eine Botschaft der Einheit», sagte FIFA-Interimspräsident Issa Hayatou, der den gesperrten und scheidenden Amtsinhaber Joseph Blatter vertrat. Der Kameruner schwor die Landesverbände ein. «Die FIFA beginnt ihre Reise mit dem Ziel, Vertrauen wieder herzustellen.»

Mit der Reform will der Weltverband die politische von der ökonomischen Entscheidungsebene trennen. Zudem gilt für den FIFA-Präsidenten und die Mitglieder des neuen Councils, das das umstrittene Exekutivkomitee ablösen soll, eine Beschränkung auf drei Amtszeiten à vier Jahre. Sie müssen sich vor Amtsantritt einem externen Integritätscheck unterziehen und ihre Gehälter offenlegen.

Die Krise hat bereits ernste Konsequenzen für die FIFA. Die sonst so glänzende finanzielle Situation ist plötzlich prekär. Finanzdirektor Markus Kattner sprach von einem derzeit erwarteten Defizit von 550 Millionen Dollar bis 2018 im Vergleich zu den Prognosen aus dem Jahr 2014. Dies würde die Rücklagen des Fußball-Weltverbandes von rund 1,5 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2014 um rund ein Drittel reduzieren.

«Wir befinden uns in einem schwierigen ökonomischen Umfeld», sagte Kattner. Der Druck der juristischen Behörden sei groß. Nur durch die Annahme des Reformpaketes könne neues Vertrauen geschaffen werden, das für den Abschluss neuer Sponsorenverträge nötig sei. 2015 hatten mehrere Geldgeber die Zusammenarbeit mit der FIFA beendet.