Siemens-Chef Kaeser: Hatte keinen Anteil an Löscher-Abgang

Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser hat bestritten, einen Anteil am Abgang seines Vorgängers Peter Löscher gehabt zu haben. «Ich habe mit Herrn Löscher sehr gut zusammengearbeitet und war an seiner Ablösung nicht beteiligt», sagte Kaeser den «Nürnberger Nachrichten».

Siemens-Chef Kaeser: Hatte keinen Anteil an Löscher-Abgang
Andreas Gebert Siemens-Chef Kaeser: Hatte keinen Anteil an Löscher-Abgang

Der Aufsichtsrat habe entscheiden müssen, ob Löscher das Amt weiter führen soll - und falls nicht, wer dann nachfolgen sollte. «Ich stand ständig mit Herrn Löscher in Kontakt und wir haben uns beide darüber ausgetauscht, dass wir nicht gegeneinander arbeiten», sagte Kaeser.

Kaeser hatte stets betont, eng an der Seite Löschers zu stehen, doch bei Gelegenheit ließ er auch Zweifel an dessen Kurs durchschimmern. So soll er frühzeitig beim Aufsichtsrat vor Defiziten des von Löscher initiierten Sparprogramms gewarnt haben.

Sein Verhältnis zur IG Metall bezeichnete der neue Konzernlenker als «sehr konstruktiv». Auf die Frage, ob sich die Beschäftigten damit darauf verlassen könnten, dass es auch künftig keine betriebsbedingten Kündigungen bei Siemens Deutschland geben werde, sagte Kaeser: «Sicher, der Beschäftigungspakt steht weiter und ich bekenne mich zu ihm.»

Der 56-Jährige gab zu, dass Siemens zuletzt zurückgefallen ist. «Das müssen wir wieder ändern.» Die zu starke Innenorientierung des Konzerns müsse aufhören. Dafür müssten Kundennähe, Ingenieurskunst, Innovation, das Gespür für Qualität und Zuverlässigkeit und finanzielle Stabilität wieder in den Vordergrund rücken - «das, wofür Siemens bekannt ist».

Von einer Krise könne bei Siemens «bei einem Nachsteuergewinn von circa vier Milliarden Euro im Jahr» dennoch keine Rede sein. «Wir brauchen aber einen branchenbezogenen Ertragsdurchschnitt.» Die Mitarbeiter sollten zudem Erfolgsprämien bekommen. «Das geht aber nur, wenn die Firma dauerhaft ausreichend Gewinne erzielt.»

«Ich werde als Zielerfüllung nicht tausend bunte Folien oder wohl formulierte Reden und Entschuldigungen akzeptieren, sondern schnurgerade auf das Ergebnis der Zahlen schauen, die bilden den Erfolg ab», sagte Kaeser der Zeitung. «Und dieser Erfolg muss nachhaltig und nicht nur auf Quartale oder einzelne Jahre bezogen sein. (...) Ich will keine Maßnahmen, die nur darauf angelegt sind, kurzfristige Erfolge zu erzielen und dann schnell wieder zurückfallen.»

Ziel sei, in Bereichen zu wachsen, in denen Siemens möglichst unabhängig sei von Konjunktur und weltwirtschaftlichen Verwerfungen. Als Beispiele nannte Kaeser Elektrizität und Kühlung für die gigantischen Server-Zentren weltweit. Oder das «Fracking»: Um Öl und Gas mit Hochdruck aus dem Boden zu pressen, seien Hochleistungspumpen und elektrischer Strom nötig - «das ist unser Thema».

Das Programm «Siemens 2014», mit dem Löscher die Kosten im Konzern um sechs Milliarden Euro drücken wollte, will Kaeser in der Sache unverändert weiterführen. In Bezug auf das konkrete Renditeziel seines Vorgängers von zwölf Prozent Marge sagte Kaeser, man dürfe sich nicht so fest an bestimmte Zahlen klammern, sondern müsse den Abstand zu den Wettbewerbern bei der Profitabilität wieder aufholen. «Ob dann die Rendite bei zehn, zwölf oder bei irgendeiner anderen Zahl liegt, ist nicht entscheidend.»