Silverstone: Krisenmanagement bei Mercedes gefragt

Im Dauer-Zoff zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg steuert Mercedes in Silverstone auf einen echten Stresstest zu.

Silverstone: Krisenmanagement bei Mercedes gefragt
Srdjan Suki Silverstone: Krisenmanagement bei Mercedes gefragt

Nach der Eskalation beim Formel-1-Grand-Prix von Österreich will der erboste Motorsportchef Toto Wolff seine beiden zerstrittenen Fahrer in den angekündigten Krisengesprächen endlich bändigen. Längst wird sogar über drastische Abschreckungsmittel vor einem neuerlichen Krach bei den Silberpfeilen spekuliert. Der englische Weltmeister Hamilton hofft vor seinem Heimspiel im Home of British Motor Racing indes, dass Mercedes von einer Stallorder absieht.

«Ich will Rennen fahren. Ich bin so aufgewachsen», betonte Hamilton, der nach seinem Last-Minute-Sieg in Spielberg nur noch elf Punkte Rückstand auf seinen deutschen Stallrivalen in der Fahrerwertung hat. «Wir fahren mit mehr als 320 Kilometern in der Stunde, und da soll es zwischen uns nie zu Problemen kommen? Da habe ich Zweifel. Ich hoffe, dass sich nichts ändert und wir weiter frei fahren dürfen.»

In Österreich hatte es zwischen Hamilton und Rosberg zum wiederholten Male gekracht. Der in Führung liegende Deutsche wollte in der letzten Runde eine Attacke des dreimaligen Weltmeisters kontern, kollidierte jedoch mit dessen Silberpfeil und musste sich schließlich nach einem Schaden am Frontflügel mit Platz vier begnügen. Hamilton raste indes zu seinem dritten Saisonerfolg.

«Alles kommt auf den Tisch. Es wird keine heiligen Kühe geben», kündigte Wolff Gespräche an und schloss auch eine Stallorder nicht aus. «Vielleicht muss man unpopuläre Entscheidungen treffen und sie einfach nicht mehr gegeneinander fahren lassen.» Wenn Hamilton und Rosberg «nicht begreifen, sich nicht ins Auto zu fahren, dann werden wir für sie nachdenken müssen». Bis zum Rennen in England soll eine Entscheidung über den künftigen Status Quo gefunden sein.

«Das großartige ist, dass Toto und Niki (Lauda) die vergangenen drei Jahre so toll waren und uns haben frei fahren lassen. Darum geht es schließlich beim Racing», votierte Hamilton ganz klar gegen eine Stallorder. Rosberg indes hatte angekündigt, eine entsprechende Entscheidung durch Motorsportchef Wolff und Teamaufsichtsrat Lauda zu «akzeptieren, wenn sie das wollen».

Wolff grübelt darüber, ob die Lernkurve seines explosiven Duos steil genug ist, um den Erfolg des Weltmeisterteams nicht mehr weiter zu gefährden. Schließlich hatte sich die Paarung schon einmal lange im Griff. Zwischen der ersten entscheidenden Berührung der beiden Kontrahenten auf der Strecke in Belgien am 24. August 2014 und dem nächsten einschneidenden Crash in Spanien am 15. Mai dieses Jahres lagen immerhin 30 Rennen.

Nun knallte es zwischen Hamilton und Rosberg allerdings schon zum dritten Mal in den vergangenen fünf Grand Prix. Der «Telegraph» spekulierte schon mal eifrig, was für Strafen den Streithähnen drohen könnten. Von Geldbußen bis hin zu einer Suspendierung war die Rede. Gerade vor Hamiltons Heimrennen in England jedoch eine Stallorder einzuführen, dürfte auf jeden Fall den 140 000 am Rennsonntag erwarteten Formel-1-Fans übel aufstoßen.

Welche Ausmaße die Rivalität zwischen Hamilton und Rosberg angenommen hat, schilderte Lauda in der vor dem Österreich-Rennen aufgenommenen Sendung «Sport und Talk aus dem Hangar-7» auf ServusTV. «Lewis wird immer wilder, je mehr der Rosberg vorne ist. Ich war dabei, als er in Baku sein Hotelzimmer zertrümmert hat, weil er in die Mauer gefahren ist», erzählte Lauda. Zudem sei das von Hamilton nach Baku verbreitete versöhnliche Gespräch mit Rosberg an einem Pool in Monaco nichts als «Show» gewesen.

«Ich kämpfe um die Weltmeisterschaft und deshalb werden wir beide weiter auch gegeneinander kämpfen», beschrieb Hamilton die seit jeher bekannte hochbrisante Ausgangslage bei den Silberpfeilen. «Hoffentlich lernen wir aber aus diesen Erfahrungen und es wird nicht mehr ähnliche Vorkommnisse geben, wie wir sie schon hatten.»