Skeletonpilotin Lölling rast sensationell zu WM-Silber

Skeletonpilotin Jacqueline Lölling hat ihre Startschwäche bei der WM eindrucksvoll korrigiert. Mit der Top-Endgeschwindigkeit von 130,38 Stundenkilometern raste die 20-Jährige sensationell zu Silber.

Dabei fuhr die Junioren-Weltmeisterin von der RSG Hochsauerland auf ihrer Heimbahn in Winterberg noch von Rang drei nach vorne und hatte nach vier Läufen 0,67 Sekunden Rückstand auf Elizabeth Yarnold. Die Britin verbesserte im vierten Durchgang in 57,42 Sekunden erneut den eigenen Bahnrekord. Dritte wurde Elisabeth Vathje aus Kanada. Ihre Medaillenchancen vergab Tina Hermann aus Königssee im Finallauf, sie belegte Platz fünf. Sophia Griebel wurde Zwölfte, Anja Huber-Selbach kam in ihrem letzten Rennen auf Platz 14.

Auch am zweiten Tag hatte Lölling eine der schlechtesten Startzeiten des Felds, konnte dies jedoch erneut wettmachen. «Ich kann es nicht fassen, die ganzen Fans von meiner Gemeinde Brachbach haben mich hier zum Erfolg geschrien», sagte die Athletin, die zuvor noch nicht einmal ein Rennen im Weltcup bestritten hatte. «Sie haben mich in den zwei Tagen hier so unterstützt und mir so viel positive Energie mit in die Bahn gegeben.»

2012 sorgte Lölling mit dem Sieg bei den Olympischen Jugendspielen in Innsbruck erstmals für internationales Aufsehen. Ende 2014 überraschte sie bei den deutschen Meisterschaften in Winterberg die komplette deutsche Elite mit dem Titelgewinn. Ihr Heimtrainer Bernhard Lehmann, ehemaliger Erfolgscoach von Bob-Olympiasiegerin Sandra Kiriasis, schwärmte: «Sie ist die kommende Dame im Skeletonsport. Dass sie vorne reinfahren kann, habe ich gewusst. Doch Silber hatten wir beide nicht zu träumen gewagt.»

Lölling genoss das Blitzlichtgewitter sichtlich, Ex-Weltmeisterin saß Anja Huber-Selbach hingegen minutenlang einsam auf der Bahnbegrenzung und schaute die Zielgerade hinunter. «Es kommen plötzlich so viele Bilder. Ich hatte vorher gesagt, ich will nicht weinen. Doch die Gefühle kann man nicht bremsen», meinte die Berchtesgadenerin mit Tränen in den Augen.

Neben ihrer Familie kamen viele ehemalige Weggefährten. Den letzten Lauf im Eiskanal kommentierte als Co-Bahnsprecherin Kerstin Szymkowiak, mit der Huber-Selbach 2010 in Vancouver ihren größten Erfolg gefeiert hatte. Damals holte sie hinter ihrer zweitplatzierten Teamkollegin Szymkowiak Bronze, es waren die ersten olympischen Skeleton-Medaillen für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD). Zudem wurde die Bayerin Huber-Selbach 2008 in Altenberg Weltmeisterin und drei Jahre später Weltcup-Gesamtsiegerin.