Snowden bietet Brasilien Hilfe an - gegen Asyl

Mit einem «Offenen Brief an das brasilianische Volk» hat der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden die weltweiten Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes massiv kritisiert.

Er erklärte sich bereit, Brasilien bei der Aufklärung zu helfen, sieht sich aber durch die US-Regierung daran gehindert. Solange ihm ein Land kein permanentes politisches Asyl gewähre, werde die US-Regierung ihn weiter daran hindern zu sprechen, schrieb Snowden in dem Brief, der am Dienstag unter anderem in der Zeitung «Folha de São Paulo» veröffentlicht wurde.

Snowden sei beeindruckt von der starken Kritik Brasiliens an den US-Spähprogrammen, die er enthüllt hatte. Wiederholt habe er seine Bereitschaft geäußert, Brasilien bei der Untersuchung möglicher illegaler Lauschangriffe gegen seine Bürger zu unterstützen. Der Journalist und Snowden-Vertraute Glenn Greenwald trat am Dienstag dem Eindruck entgegen, das Schreiben ziele auf einen zweiten Asylantrag in Brasilien ab. Das sei «wild interpretiert» worden, hieß in einer E-Mail Greenwalds, den das US-Online-Portal BuzzFeed veröffentlichte.

Greenwald, der viele Enthüllungen Snowdens publik machte, betonte: «Er (Snowden) hat schon vor Monaten Asyl in Brasilien und verschiedenen anderen Ländern beantragt, und das ist noch in der Schwebe.» Mit dem Brief habe Snowden vielmehr erklären wollen, warum er derzeit nicht in der Lage sei, Anfragen von brasilianischen Senatoren auf Hilfe bei der Aufklärung zu entsprechen. Die «Folha» hatte das Schreiben dagegen als Angebot Snowdens interpretiert, im Gegenzug für Informationen Asyl in Brasilien zu erhalten.

Snowden, der sich in Russland aufhält, hatte in seinem Schreiben darauf verwiesen, dass viele Senatoren aus Brasilien bei ihm angefragt hätten, um sie bei ihren Untersuchungen zu unterstützen. «Ich habe meine Bereitschaft erklärt, immer zu helfen, wenn es angemessen und rechtens ist, aber die US-Regierung hat unglücklicherweise hart daran gearbeitet, meine Möglichkeiten dazu zu limitieren - und ist sogar soweit gegangen, die Präsidentenmaschine von (Boliviens Staatschef) Evo Morales zur Landung zu zwingen, um mich zu hindern, nach Lateinamerika zu reisen!»

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff war wie einige ihrer Amtskollegen in Lateinamerika und Europa persönlich Ziel von Ausspähaktionen des US-Geheimdienstes NSA. Wegen der Affäre hatte sie unter anderem einen im Oktober geplanten Staatsbesuch in Washington verschoben. Snowden wies in seinem Brief auf die detaillierten Kontrollmöglichkeiten der NSA hin, die unter anderem «5 Milliarden mal am Tag» weltweit Handy-Ortungen vornehme und dies unter dem Deckmantel der Datensammlung tue. «Meine größte Angst war, dass niemand auf meine Warnungen hören würde. Niemals war ich so glücklich, so falsch zu liegen.»

Die «Folha» berichtete, dass der Brief Snowdens an offizielle Stellen geschickt werden und Teil einer Online-Kampagne auf der Internetseite der Nichtregierungsorganisation Avaaz sein solle. Die Kampagne soll laut «Folha» im Namen Snowdens vom Brasilianer David Miranda geleitet werden, dem Lebensgefährten Greenwalds. Von der brasilianische Regierung gab es zunächst keine Reaktion auf den Brief.