Solarbranche kämpft weiter ums Überleben - noch mehr Jobs weg

Die wenigen überlebenden Firmen der deutschen Solarbranche haben die Krise der vergangenen Jahre noch lange nicht überwunden.

Auch wenn global die Nachfrage nach Solaranlagen deutlich zunimmt, profitieren deutsche Unternehmen davon nur teilweise. Der Wechselrichterhersteller SMA Solar streicht sogar erneut drastisch Stellen - bis Mitte des Jahres mehr als ein Drittel der knapp 4700 Jobs.

Warum ging es für die deutsche Solarbranche so steil bergab?

Nach Jahren des schnellen Wachstums dank Milliardenförderung durch die deutsche EEG-Umlage brach die Branche nach der deutlichen Kürzung der Solarförderung fast genauso schnell wieder ein. Die Nachfrage blieb in Deutschland und anderen europäischen Ländern aus. Die Billigkonkurrenz aus China drückte die Deutschen zudem aus dem Markt. «Dadurch, dass der selbst produzierte Strom mit einer Umlage belastet wird, werden die Bedingungen weiter verschlechtert», sagt Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Und wie sieht es auf dem Weltmarkt aus?

Dort ist die Nachfrage nach Solaranlagen deutlich gewachsen - nicht zuletzt, weil die deutschen Fördermilliarden weltweit einen Technologiesprung ermöglicht und die Module deutlich billiger gemacht haben. Auf 40 bis 45 Gigawatt schätzten Energiefachleute des Analysehauses IHS den globalen Photovoltaik-Zubau allein 2014. Das entspricht mehr als 30 Atomkraftwerken.

Aber warum nützt das den deutschen Firmen nicht?

China und Taiwan produzieren nach wie vor günstiger - aus Kritikersicht dank staatlicher Subventionen. Deshalb haben die USA vor wenigen Tagen Strafzölle gegen die beiden asiatischen Länder verhängt. Auch die EU hat Antidumpingmaßnahmen beschlossen, die europäischen Hersteller und ihr Verband EU Prosun werfen den Asiaten aber vor, diese Maßnahmen mit Tricks zu unterlaufen.

Für den Wechselrichterhersteller SMA Solar ist der Konflikt besonders schädlich, denn ein drohender Handelskrieg zwischen den USA und China belastet den wichtigen Exportmarkt USA: Wenn die Solarmodule in den USA teurer und damit insgesamt weniger Anlagen geordert werden, geht auch der Absatz an Wechselrichtern zurück. Wecgselrichter wandeln Gleichstrom in Wechselstrom und sind eine zentrale Komponente von Solaranlagen.

Wie begegnen die deutschen Solarunternehmen der Krise?

Die Liste der Insolvenzen aus den vergangenen Jahren ist lang. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft ist die Zahl der Beschäftigten in der Photovoltaik-Branche von 128 000 im Jahr 2011 auf unter 50 000 geschrumpft. Nur noch wenige große Anbieter sind am Markt. «Diejenigen, die es noch können, setzen gezielt auf Innovationen und kombinierte Lösungen wie beispielsweise integrierte Speicher. Andere müssen weiter sparen und auf das Licht am Ende des Tunnels warten», sagt Kemfert.

Wie stehen die deutschen Unternehmen derzeit da?

Im Rekordjahr 2010 setzte SMA noch fast zwei Milliarden Euro um und machte im Schnitt rund eine Million Euro Gewinn - pro Tag. Seitdem geht es bergab: Nur vier Jahre später werden es laut Umsatzprognose nur noch 790 Millionen Euro Umsatz sein - und ein Verlust von bis zu 115 Millionen Euro. SMA Solar versucht durch die Übernahme des chinesischen Unternehmens Zeversolar zum einen, Fuß im chinesischen Markt zu fassen. Zum anderen nutzt das Unternehmen die Tochter, um eine eigene günstige Marke zu etablieren. Außerdem ging SMA mit dem Technologiekonzern Danfoss eine strategische Partnerschaft ein, um Einsparungen beim Einkauf zu erreichen.

Solarworld aus Bonn hat einen Schuldenschnitt und ein Verlustjahr hinter sich. Jetzt sieht Solarworld-Chef Frank Asbeck Anzeichen für eine Wende zum Besseren. Vor allem der Markt in den USA entwickele sich zum Wachstumstreiber. Solarworld profitiert als Modul-Hersteller von Strafzöllen und damit höheren Preisen. Nach einem Verlust von 135 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum steht zum dritten Quartal 2014 ein Konzernergebnis von 489 Millionen Euro in den Büchern.

Wie sind die Zukunftsaussichten der deutschen Solarbranche?

In der Photovoltaik-Branche geht der Ausleseprozess weiter. Laut Energieexpertin Kemfert hat die Branche aber durchaus gute Zukunftsaussichten, wenn sich der Markt konsolidiert hat, die weltweiten Überkapazitäten abgebaut sind und es fairen Wettbewerb gibt. «Denn die Solarenergie wird international immer mehr populärer werden. Die Kosten werden weiter sinken, die Nachfrage somit weiter steigen, und zwar in sehr vielen Ländern der Welt.»