Sony-Hackeraffäre: George Clooney schaltet sich ein

Ermittler in den USA gehen nach der Hackerattacke gegen Sony Pictures und Terrordrohungen immer stärker von einem Angriff aus dem Ausland aus.

Sony-Hackeraffäre: George Clooney schaltet sich ein
Daniel Naupold Sony-Hackeraffäre: George Clooney schaltet sich ein

Mit geklauten Zugangsdaten eines Systemadministrators hätten die Hacker breitflächigen Zugang zu den Daten des gesamten Unternehmens bekommen, berichtete der Sender CNN unter Verweis auf nicht namentlich genannte Regierungsvertreter. «Digitale Fußabdrücke» wiesen zudem in Richtung Nordkorea. Allerdings wollten weder das Weiße Haus noch Behörden den vermeintlichen Schuldigen öffentlich beim Namen nennen. Nach CNN-Angaben wurde inzwischen über eine Reaktion auf den Hackerangriff beraten.

Sony Pictures hatte am Vortag die Nordkorea-Satire «The Interview» zurückgezogen. Da die Mehrheit der Kinobetreiber in den USA den Film nicht ins Programm nehmen wolle, «haben wir beschlossen, den für den 25. Dezember geplanten Kinostart abzusagen», zitierten US-Medien aus einer Mitteilung des Studios. In dem Film bekommen zwei US-Journalisten (Seth Rogen und James Franco) den Auftrag, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei einem Interview zu töten.

Superstar George Clooney (53) beklagt in dem Fall eine mangelnde Solidarität in Hollywood: Eine von ihm verfasste Petition habe niemand unterschreiben wollen, sagte er dem Branchenportal «Deadline.com». Die Unterzeichner hätten zugestimmt, dass man sich nicht den Forderungen der Hacker unterwerfen und zusammenhalten werde. Nach den Veröffentlichungen von vertraulichem E-Mail-Verkehr durch die Medien habe jeder die Sorge, er könne der nächste am Pranger sein, sagte Clooney. Dass der Film nun nicht mehr in den Kinos läuft, sieht Clooney als ein Problem: «Das betrifft nicht nur Filme, das betrifft alle Angelegenheiten. Wir sind in der Verantwortung, dagegen aufzustehen.»

Sony Pictures hat die Satire vor ihrer Veröffentlichung sogar von der US-Regierung überprüfen lassen. Das Weiße Haus habe den Film auf Bitten von Sony gesichtet, sagte Präsident Barack Obamas Sprecher Josh Earnest. Die Regierung habe dann ihre Einschätzung den Machern mitgeteilt, aber keine Änderungen vorgeschrieben oder gar «diktiert». Obama hatte den Amerikanern trotz Terrordrohungen gegen US-Kinos empfohlen, den Film ohne Angst vor Anschlägen im Kino anzusehen.

Earnest stufte den Angriff als «Angelegenheit von nationaler Sicherheit» der USA ein, vermied es aber, von einem Angriff auf diese zu sprechen. Es gebe Beweise, dass ein «anspruchsvoller Akteur mit bösartiger Absicht zerstörerisch» vorgegangen sei. Dass Nordkorea hinter der Attacke steckt, bestätigte er nicht.

Bei der beispiellosen Cyberattacke waren im November flächendeckend die Computersysteme von Sony Pictures angegriffen und etliche Daten gestohlen worden.

Bestseller-Autor Paulo Coelho erklärte sich bereit, die Satire gratis in seinem Blog zu veröffentlichen. In einer Twitter-Botschaft bot er Sony Pictures 100 000 Dollar (rund 81 000 Euro) für die Rechte an. «Sie bekommen 0,01 Prozent des Budgets zurück, und ich kann «Nein» zu Terror-Drohungen sagen», schrieb der 67-Jährige. Er bezweifle jedoch, dass Sony sein Angebot annehmen werde, räumte der Brasilianer ein.

«The Interview» sollte am 25. Dezember in den USA starten. In Deutschland war der Start des Films mit Produktionskosten von rund 44 Millionen US-Dollar (etwa 35 Millionen Euro) für Februar geplant. Sony hat sich auch gegen jede andere Form der Veröffentlichung des Films entschieden, sei es als Video auf privaten Kabelkanälen oder auf DVD, zitierte das Magazin «Variety» eine Sony-Sprecherin.