Sorge um Sicherheit: BVB ohne Mchitarjan

Beim Aufbruch in das Abenteuer Baku blieb sein Platz im Flieger frei. Aus Sorge um die Sicherheit von Henrich Mchitarjan trat Borussia Dortmund die knapp fünfstündige und 3400 Kilometer lange Reise zum Europa-League-Spiel beim FK Qäbälä ohne den armenischen Nationalspieler an.

Sorge um Sicherheit: BVB ohne Mchitarjan
Guido Kirchner Sorge um Sicherheit: BVB ohne Mchitarjan

«Er hat sich in der Situation etwas unwohl gefühlt. Von daher ist es für alle Seiten das Beste», kommentierte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Dortmunder Airport den ungewöhnlichen Verzicht auf den Mittelfeldstrategen aus politischen Gründen.

Zwar sei der Entschluss aus sportlichen Gesichtspunkten schwergefallen, mache angesichts des Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach jedoch Sinn. Dicht umlagert von zahlreichen Medienvertreten warb Watzke mit Verweis auf die «persönliche Fürsorgepflicht gegenüber dem Spieler» um Verständnis: «Das ist eine Krise, die über das normale Maß hinausgeht. Henrich ist nicht böse, dass er zu Hause bleiben muss.»

Im Mannschaftskreis war das Fehlen des derzeit eigentlich unverzichtbaren Leistungsträgers kein großes Thema. Shooting-Star Julian Weigl kann die Maßnahme nachvollziehen: «Ich finde es in Ordnung, wenn es dort irgendwelche Probleme für ihn gibt. Wir haben die Qualität in der Mannschaft, um das aufzufangen.»

Abgesehen von Mchitarjan waren alle andere gesunden Profis dabei. Anders als beim 1:1 vor drei Wochen in Griechenland, als gleich fünf Stammkräfte auf Geheiß von Thomas Tuchel fehlten, scheint der Dortmunder Fußball-Lehrer in der Hauptstadt von Aserbaidschan auf eine umfangreiche Rotation verzichten zu wollen. Das stärkt den Glauben von Nationalspieler Ilkay Gündogan an einen erfolgreichen Auftritt am Kaspischen Meer: «Auch wenn es reisetechnisch ein bisschen stressig wird, wollen wir die Tabellenführung verteidigen. Das muss unser Anspruch sein.»

Nach bisher vier Punkten aus den Spielen gegen Krasnodar (2:1) und in Saloniki (1:1) würde die Borussia mit einem Sieg beim Gruppen-Außenseiter einen großen Schritt Richtung K.o.-Runde tun. Den Platz von Mchitarjan könnten Jonas Hofmann oder Adnan Januzaj einnehmen. Zudem steht Rekonvaleszent Marcel Schmelzer vor einem Comeback.

Der BVB ist gut beraten, den mit einem Personaletat von nur vier Millionen Euro ausgestatteten Außenseiter nicht zu unterschätzen. Schließlich blieb der erst 1995 gegründete und vom millionenschweren Mäzen Tale Heydarow alimentierte FK Qäbälä in den vergangenen fünf Europacup-Spielen ohne Gegentor. Weil das heimische Stadion zu klein ist, findet das Spiel im 220 Kilometer entfernten Baku statt. «Ich wette: Dortmund gewinnt nicht 10:0», sagte Tony Adams. Der ehemalige Profi des FC Arsenal ist seit 2010 Sportdirektor des Clubs.

Zur Frage des «Kicker» nach dem momentan im Gefängnis sitzenden Kapitän Javid Hüseynov äußerte sich Adams zurückhaltender: «Das ist eine politische Sache. Wir hoffen, dass die Angelegenheit bald geklärt ist und er in Freiheit kommt.» Hüseynov wurde nach dem gewaltsamen Tod eines Journalisten mit dem Fall in Verbindung gebracht. Der Journalist hatte aserbaidschanischen Medien zufolge von einem Streit mit Hüseynov berichtet, weil er den Fußballer für dessen Verhalten nach einem Spiel kritisiert hatte.