Soziologe: Persönliche Ängste sind stärker als Furcht vor Ebola

Die Angst vor Gefahren wie Ebola oder Terror ist aus Expertensicht nicht so bedeutsam wie persönliche Sorgen.

Soziologe: Persönliche Ängste sind stärker als Furcht vor Ebola
Uwe Zucchi Soziologe: Persönliche Ängste sind stärker als Furcht vor Ebola

«Neben unserer Alltagserfahrung sind wir einen Moment über Ebola erschrocken. Aber es ist auch sofort wieder weg, wenn wir in unserem Alltag drinstecken», sagt der Soziologe Heinz Bude von der Universität Kassel in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Zwar gebe es nicht zu unterschätzende «Angstquellen in Bezug auf die Gesamtgesellschaft».

Doch «die Angst, die wir vor dem Einschlafen haben, ist eher die, hab ich mit meinem Kind alles richtig gemacht, kriegt es eine Gymnasialempfehlung, oder gibt es Dinge, die in meiner Partnerschaft falsch laufen», betont Bude. Er hat dazu ein Buch mit dem Titel «Gesellschaft der Angst» veröffentlicht.

Dem stimmt auch der Gesellschaftsforscher Horst Opaschowski zu, nach dessen kürzlich veröffentlichter Analyse «So wollen wir leben!» die Familie das Wichtigste im Leben ist. Demnach haben die Deutschen derzeit vor allem Angst vor Preissteigerungen - diese sei mittlerweile mehr als doppelt so hoch (59 Prozent) wie die subjektiv empfundene Bedrohung durch den Terrorismus (28 Prozent). Besonders viele Sorgen machten sich die Menschen zudem um ihre Arbeitsplätze. «Nichts gilt mehr als sicher - der feste Arbeitsplatz nicht und das feste Einkommen auch nicht.»

Ebola werde in Deutschland zwar als Sorge erkannt, sagt der Greifswalder Angstforscher Alfons Hamm. Aber: «Die mediale Präsenz von Ebola führt dazu, dass die Wahrnehmung dieser Risiken viel größer ist als die reale Gefahr», betonte er. Auch lösten spektakuläre Darstellungen wie in Filmen Bedrohungsszenarien aus und zudem seien die Deutschen «sehr sorgenvoll, wie Umfragen immer wieder belegen».

Die größte Angst allerdings sei ein Leben ohne Angst, sagt Bude. Ein angstfreier Zustand gleiche einer vollständigen Resignation. «Angst ermöglicht uns, einen hoffnungsvollen Blick auf die Welt zu werfen.» Um der Angst zu begegnen, helfe es, zu lachen, betont er. «Wichtig ist allerdings, dass es das gemeinsame Lachen ist.»