Spanische Infantin Cristina muss auf die Anklagebank

Ein bitterer Moment für Spaniens König Felipe VI.: Zwei Tage vor seiner ersten Weihnachtsansprache musste der 46-jährige Monarch erfahren, dass seine Schwester Cristina wegen des Vorwurfs der Beihilfe zum Steuerbetrug vor Gericht gestellt wird.

Die 49-jährige Infantin wurde angeklagt wegen des Verdachts, ihrem Ehemann Iñaki Urdangarin dabei geholfen zu haben, das Finanzamt zu betrügen.

Die Entscheidung des Ermittlungsrichters José Castro wurde publik, als über das krisengeplagte Spanien gerade ein warmer Geldregen niederging: Im Fernsehen lief die Ziehung der Glückslose der Weihnachtslotterie, die Milliarden-Gewinne ausschüttete und Tausende Spanier in Jubelstimmung versetzte.

Für Felipe bedeutet die Anklageerhebung gegen die Schwester und deren Mann einen schweren Schlag. Er hat nach der Abdankung von König Juan Carlos im Juni die Nachfolge angetreten mit dem Vorsatz, das Königshaus wieder zu einem moralischen Vorbild zu machen. Nun wird erstmals in der spanischen Geschichte eine nahe Verwandte des Monarchen wegen eines Finanzskandals unter Anklage gestellt.

In den sechs Monaten seit seiner Krönung traf Felipe Vorkehrungen, um zu verhindern, dass die Affäre um Urdangarin und Cristina das - mühsam wieder hergerichtete - Ansehen des Königshauses erneut ankratzt. Die Infantin und ihr Mann gehören offiziell nicht mehr dem Königshaus an, sie nehmen keine öffentlichen Termine wahr und waren weder bei der Abdankung von Juan Carlos noch bei der Vereidigung von Felipe zugegen.

Viele Spanier hätten es auch gerne gesehen, wenn Cristina, die auf dem sechsten Rang der Thronfolge steht, auf ihre Thronrechte verzichtet hätte. Das Königshaus betonte, dies sei die persönliche Entscheidung der Infantin. Ein solcher Verzicht wäre symbolischer Natur und hätte kaum praktische Konsequenzen. Nach Informationen der Zeitung «El Mundo» scheut die 49-Jährige jedoch davor zurück, weil sie befürchtet, dass ihr ein Verzicht als ein Schuldeingeständnis ausgelegt würde.

Dass Urdangarin angeklagt wird, hat in Spanien niemanden überrascht. Für den Schwager des Königs fordert die Staatsanwaltschaft fast 20 Jahre Haft. Der frühere Handballstar hatte als Präsident der gemeinnützigen Stiftung Nóos von den Regionalregierungen der Balearen und Valencias rund sechs Millionen Euro für die Veranstaltung von Sportkongressen erhalten. Den größten Teil des Geldes soll er laut Anklage mit Hilfe eines Netzes von Scheinfirmen unterschlagen haben.

Cristina war die Co-Präsidentin einer dieser Firmen. Bei ihrer Vernehmung durch den Ermittlungsrichter erklärte sie, sich um die Geschäften ihres Mannes nicht gekümmert und ihren Namen nur pro forma hergegeben zu haben.

Als der Skandal vor mehreren Jahren aufflog, sah Juan Carlos sich in seiner Weihnachtsansprache 2011 zu der Äußerung veranlasst: «Das Gesetz ist für alle gleich.» Dies bekommt nun auch die Tochter des damaligen Monarchen zu spüren. Ihr Bruder Felipe muss jetzt entscheiden, ob er in seiner Ansprache am Heiligen Abend in irgendeiner Weise auf die Affäre eingehen wird. In diesem Jahr werden die Spanier jedenfalls bei der Weihnachtsansprache des Königs besonders genau hinhören.