Spanische Schule trauert um «ihre» deutsche Austauschgruppe

Nebel liegt über der kleinen spanischen Ortschaft Llinars del Vallés. Das graue Wetter spiegelt die Trauer der rund 9000 Einwohner des kleines Ortes wider, seit sie vom Tod der 16 deutschen Austauschschüler an Bord der abgestürzten Germanwings-Maschine erfahren haben.

Die Schüler waren auf dem Rückweg nach Deutschland, als das Flugzeug am Dienstag in den französischen Alpen zerschellte. «Gestern um sechs Uhr morgens hatten wir sie noch hier und nur vier oder fünf Stunden später war alles vorbei», sagt Josep Aixandri, Stadtrat von Llinars. Seine Tochter Ruth war eine der spanischen Gastmütter, bei denen die deutschen Schüler untergekommen waren. «Mit meinem Enkel konnte ich noch nicht sprechen», sagt er. «Aber Ruth ist am Boden zerstört.»

Eine Woche lang waren die 16 Schüler des Joseph-König-Gymnasiums im westfälischen Haltern zu Gast in Llinars. Das Dorf liegt nur 40 Kilometer von Barcelona entfernt. Sie gingen mit den spanischen Kindern zur Schule und tauschten Erfahrungen aus. Doch am Dienstag wurde ihr Tod zur größten Tragödie, die die Einwohner von Llinars je erlebt haben. Bei dem Unglück starben auch zwei deutsche Lehrer.

Mit einer privaten und bewegenden Trauerfeier gedachten am Mittwoch Lehrer, Eltern und Schüler der spanischen Schule, dem Institut Giola, der Toten. «Es war sehr schön und sehr emotional», sagt ein Vater. Mit Gedichten, Musik und Fotos wurde an die gemeinsam verbrachte Zeit erinnert. «Einige der Schüler waren so betroffen, dass sie gar nicht mehr aufhören konnten zu weinen», sagt eine ehemalige Schülerin. Der Unterricht fiel an diesem Tag aus.

Schwer lastet die Trauer auf den Einwohnern des kleinen Dorfes, das seit mehr als zwei Jahrzehnten Austauschschüler aus Deutschland und vielen anderen Ländern beherbergt. Die Präsenz der Medien macht es den Einwohnern nicht leichter, mit ihrem Kummer umzugehen. «Es ist beschämend! Ist das normal, dass sie das Leid der Leute aufnehmen?», klagt eine weinende Schülerin. «Können Sie nichts machen?», wendet sie sich an die sechs Polizisten, die vor den Schulpforten für Ordnung sorgen sollen.

Die Schuldirektorin Sílvia Genís trat vor die Kameras und Mikrofone, und bat, die Privatsphäre der Kinder, Familien und Lehrer zu respektieren. «Uns ist es jetzt wichtig, die Schüler in ihrer Trauer zu begleiten und allmählich zur Normalität zurückzukehren», sagt sie. Dem Gymnasium und der Heimatgemeinde der Opfer sprach die spanische Direktorin ihr Beileid aus.

Ihre deutschen Gastschüler haben die Menschen in Llinars in lebhafter Erinnerung. «So eine Sache vergisst man sein Leben lang nicht», sagt eine ältere Anwohnerin. «Ich habe gesehen, wie sie sich hier am Bahnhof mit Küssen und Umarmungen verabschiedet haben», sagt ein Kellner des Bahnhof-Cafés von Llinars. «Wir scherzten noch, wie groß und blond sie waren im Vergleich zu den Kindern von hier.»