Spanische Weihnachtslotterie: Der «Dicke» wird dünner

Der «Dicke» wird dünner: Bei der spanischen Weihnachtslotterie fällt «El Gordo» (der Dicke), wie der Hauptgewinn genannt wird, diesmal etwas weniger üppig aus.

Spanische Weihnachtslotterie: Der «Dicke» wird dünner
Javier Lizon Spanische Weihnachtslotterie: Der «Dicke» wird dünner

Bei der Ziehung der Glückszahlen an diesem Sonntag (22. Dezember) muss erstmals ein Teil der Gewinne an das Finanzamt abgeführt werden. Die Regierung hatte entschieden, dass die Glückspilze bei der Ziehung sich an der Sanierung der Staatsfinanzen beteiligen müssen: Von den Lotteriegewinnen von über 2500 Euro gehen 20 Prozent an den Fiskus.

Insgesamt werden bei der traditionellen Ziehung, der größten und ältesten Lotterie der Welt, Gewinne von über 2,2 Milliarden Euro ausgeschüttet. Da wird für das Finanzamt ein gehöriger Batzen abspringen. Dabei hatte der Staat auch vorher bereits kräftig an der Weihnachtslotterie verdient: Etwa 25 Prozent der Einnahmen fließen in die Staatskasse, 70 Prozent werden als Gewinne ausgeschüttet. Der Hauptgewinn beträgt vier Millionen Euro. Diese Summe wird 160 mal ausgezahlt, da jede Losnummer 160 mal verkauft wird.

In diesem Jahr bekommt «El Gordo» Konkurrenz: Die Regierung der Region Katalonien führte eine eigene Lotterie ein, die «La Grossa» (die Dicke) heißt und deren Glückzahlen zu Silvester gezogen werden. Allerdings ist das Duell der beiden Dicken ein ungleicher Kampf: Während die Katalanen für die traditionelle Weihnachtslotterie etwa 400 Millionen Euro ausgeben, investieren sie in Lose für die erste Ziehung von «La Grossa» nur 30 Millionen Euro.

Die Ursprünge der Weihnachtslotterie gehen auf das Jahr 1763 zurück. Damals kam König Karl III. auf die Idee, Lose verkaufen zu lassen, um mit den Einnahmen soziale Einrichtungen zu finanzieren. Die erste Ziehung in der heutigen Form fand vor 201 Jahren in Cádiz in Südspanien statt. Seither konnten weder Kriege noch Krisen die alljährliche Ziehung verhindern.

Allerdings sind die Zeiten vorbei, in denen die Lotterie von Jahr zu Jahr mehr Lose verkaufte und höhere Gewinne ausschüttete. Zwar kaufen nach wie vor etwa 75 Prozent der Spanier sich Lose, aber nach einer Studie gingen die Einsätze seit Ausbruch der Wirtschaftskrise um 18 Prozent zurück. In diesem Jahr dürften sie bei etwa 50 Euro pro Spieler liegen.

Die Lotterie macht ohnehin keine Gewinner zu Millionären. Da ein einzelnes Los 200 Euro kostet, begnügen die Spanier sich mit Zehntellosen, für die es dann auch nur ein Zehntel der jeweiligen Gewinnsummen gibt. Viele Spieler teilen sich auch Lose mit Freunden und Verwandten.

In diesem Jahr sorgte die Lotterie bereits vor der Ziehung unverhofft für Aufsehen. Der Werbespot, mit dem die staatliche Lotteriegesellschaft für den Loskauf wirbt, wurde - ungewollt - zu einem Renner in den sozialen Netzwerken. Fünf namhafte Sänger - darunter die Operndiva Montserrat Caballé - tragen in dem Filmchen ein Lied vor, das so schnulzig geriet, dass es im Internet von bitterbösen Persiflagen nur so wimmelt. Das TV-Stück dürfte einer der am häufigsten parodierten Werbespots in der spanischen Fernsehgeschichte sein. «So sind wir Spanier nun einmal», meinte die Direktorin der Lotteriegesellschaft LAE, Inmaculada García, resigniert. «Wir spotten gerne und machen gerne Scherze.»