SPD-Spitzenpolitiker kritisieren Albigs Zweifel an Siegchance

Die SPD-Spitze versucht offensiv den Eindruck zu zerstreuen, angesichts der Popularität von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) setze die Partei bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr auf Sieg.

Der Vorstoß des schleswig-holsteinischen SPD-Regierungschefs Torsten Albig, man könne 2017 lieber gleich auf einen eigenen Kanzlerkandidaten verzichten, sei «völlig abwegig», sagte Generalsekretärin Yasmin Fahimi dem «Spiegel». Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sagte der Deutschen Presse-Agentur in Kiel: «Bei aller Übereinstimmung, die wir sonst haben: In der Frage bin ich wirklich anderer Auffassung - und die SPD insgesamt auch.»

Albig hatte zuvor in einem NDR-Interview erklärt, es sei schwer, gegen diese Kanzlerin zu gewinnen. Daher könne auch eine bloße Regierungsbeteiligung Wahlziel für seine Partei sein. Merkel sei eine gute Regierungschefin für Deutschland. SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel gilt als Favorit für die Kanzlerkandidatur seiner Partei in zwei Jahren, ist aber intern nicht unumstritten.

«Wir müssen natürlich immer den Anspruch haben, die Regierung zu führen», sagte Stegner der dpa. Albig habe Recht damit, dass Merkel populär und schwer zu schlagen sei. «Aber es kann ja nicht unser Ziel sein, mit den Grünen darum zu wetteifern, wer der nächste Juniorpartner der Union wird.»

Die Umfragen sähen im Moment nicht günstig für die SPD aus, räumte Stegner ein. «Aber das heißt ja nicht, dass es nicht besser werden kann. Und dafür muss man kämpfen.» Bei ihm seien auf Albigs Aussagen «temperamentvolle Rückmeldungen» aus dem Land und dem Bund eingegangen, so der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende.

Fahimi betonte: «Die große Koalition ist eine Veranstaltung auf Zeit.» Dafür kämpfe die SPD mit Politik, Programm und Personal. «Ich gehe davon aus, dass das auch für Schleswig-Holstein und seinen Ministerpräsidenten gilt.»