SPD will mit TV-Duell Wende in der Wählergunst einleiten

Mit Spannung fiebert vor allem die SPD dem einzigen TV-Duell im Wahlkampf zwischen ihrem Herausforderer Peer Steinbrück und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) entgegen. Steinbrück will Merkel drei Wochen vor der Wahl am 22. September zwingen, inhaltlich Farbe zu bekennen.

SPD will mit TV-Duell Wende in der Wählergunst einleiten
Hannibal Hanschke SPD will mit TV-Duell Wende in der Wählergunst einleiten

Derweil bleiben die Umfragewerte schwierig für die SPD. SPD-Chef Sigmar Gabriel ging in der «Rhein-Zeitung» davon aus, dass Steinbrück gegenüber der CDU-Chefin ein klares Profil zeigt: «Peer Steinbrück redet Klartext und eiert nicht herum. Er zeigt klare Kante, und das unterscheidet ihn auch von Frau Merkel.» Ähnlich äußerte sich der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann: «Dieses Duell wird kein Kaffeeklatsch. Peer Steinbrück wird Klartext reden und Frau Merkel kann erstmals nicht mehr ausweichen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, hoffte auf einen Erfolg für ihre Partei. «Im Duell kann Frau Merkel nicht mehr lavieren wie bisher, sie muss endlich Farbe bekennen. Das kann dann noch mal einen richtigen Schub für den Rest des Wahlkampfs geben», sagte die stellvertretende Parteivorsitzende der «Rheinischen Post».

Vier Moderatoren von ARD, ZDF, RTL und ProSieben wollen in der 90-minütigen Live-Sendung vor allem die Kanzlerin aus der Reserve locken. Sie vermeidet im Wahlkampf bisher weitgehend eine harte Konfrontation mit ihren Kontrahenten.

Gut die Hälfte der Deutschen wollen sich die Sendung anschauen, ergaben Umfragen. Allerdings rechnen nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage für die «Bild am Sonntag» 62 Prozent der Bundesbürger damit, dass Merkel das Duell für sich entscheidet. Nur 16 Prozent erwarten einen Erfolg Steinbrücks. Selbst bei den SPD-Wählern sind dem Bericht zufolge 42 Prozent davon überzeugt, dass Merkel als Gewinnerin aus der Fragerunde hervorgehen würde, 36 Prozent setzen auf Steinbrück.

Im neuen Sonntagstrend der «Bild am Sonntag» büßte die SPD weiter an Zustimmung ein, Sie verlor zwei Punkte und kam nur noch auf 23 Prozent. Mit 11 Prozent verzeichneten auch die Grünen ein Minus von einem Punkt. Dagegen legte die Linke um zwei Punkte auf 10 Prozent zu. Für die CDU/CSU ermittelte das Emnid-Institut 39 Prozent (minus 1), für die FDP 6 Prozent (plus 1). Das ergab eine hauchdünne Mehrheit für Schwarz-Gelb gegenüber Rot-Rot-Grün von 45 zu 44 Prozent. Diese ist aber wegen der üblichen Fehlertoleranz von Umfragen unsicher.

Die Grünen forderten Steinbrück auf, vor allem beim Thema soziale Gerechtigkeit Klartext zu reden. Ihre Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt sagte der «Bild am Sonntag»: «Sieben Millionen Menschen verdienen in Deutschland weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Viele brauchen zwei oder drei Jobs, um leben zu können. Diese soziale Ungerechtigkeit muss Steinbrück deutlich machen und Alternativen aufzeigen.»

Am Donnerstag wollen Steinbrück, Göring-Eckardt und der zweite Grünen-Spitzenkandidat, Jürgen Trittin, in Berlin mit den Ministerpräsidenten der rot-grün regierten Bundesländer und deren Stellvertretern zusammenkommen. Sie wollen nach Angaben eines Grünen-Sprechers darüber beraten, wie ein gesetzlicher Mindestlohn, der weitere Ausbau von Betreuungsangeboten für Kinder und die Energiewende in einer gemeinsamen Regierung zügig und entschlossen umgesetzt werden könnten.