Spekulationen über Ende lockerer Geldpolitik treibt Dax in Minus

Die Ungewissheit über eine baldige geldpolitische Wende in den USA und Europa hat den deutschen Aktienmarkt am Dienstag unter Verkaufsdruck gesetzt. Dabei fielen Standardaktien stärker als Papiere aus der zweiten Reihe.

Mehrere hochrangige Offizielle der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie ein Mitglied der US-Notenbank Fed hatten mit relativ klaren Äußerungen Spekulationen über ein baldiges Ende der sehr lockeren Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantik hervorgerufen.

Der Leitindex Dax schloss mit einem Minus von 0,88 Prozent bei 9114,44 Punkten. Der MDax mittelgroßer Werte fiel um 0,58 Prozent auf 15 954,17 Punkte. Der Technologie-Auswahlindex TecDax verlor 0,43 Prozent auf 1137,00 Zähler.

Nach Aussage von Fed-Mitglied James Bullard könnte die geldpolitische Umkehr in den USA doch noch in diesem Jahr eingeläutet werden. Basierend allein auf den Arbeitsmarktdaten, habe die Wahrscheinlichkeit eines geringeren Tempos an Anleihekäufen zugenommen, sagte Bullard und ergänzte, dass er sich eine Rückführung der Anleihekäufe im Dezember vorstellen könne. Bislang waren sich die Märkte sicher, dass dieses sogenannte Tapering erst 2014 erfolgt.

Anleger warteten auf Impulse von der US-Notenbank Fed in der kommenden Woche, sagte Marktanalyst Arkadius Barczynski vom Broker GKFX. Viele Börsianer rechnen bei der Zinsentscheidung der Fed mit einem behutsamen Einstieg in die Drosselung der ultralockeren Geldpolitik.

Als Stimmungsdämpfer wirkten auch Kommentare von EZB-Präsident Mario Draghi und EZB-Direktor Benoît Coeuré. Draghis Äußerungen zu den Möglichkeiten der Zentralbank interpretieren Marktteilnehmer dahingehend, dass die Währungshüter ihre lockere Geldpolitik nach der jüngsten Zinssenkung auf 0,25 Prozent nicht weiter ausweiten werden. Auch Coeuré hält zunächst keine weiteren geldpolitischen Aktionen zur Bekämpfung der niedrigen Inflation für notwendig. Ähnlich hatten sich zuletzt auch andere hochrangige EZB-Vertreter geäußert.

Unter den Einzelwerten fielen die Papiere der Commerzbank mit deutlichen Gewinnen auf und waren mit einem Plus von 2,71 Prozent wie bereits am Vortag Spitzenreiter im Dax. Sie profitierten unter anderem von einem positiven Analystenkommentar und erreichten im Verlauf mit 11,19 Euro den höchsten Kurs seit sieben Monaten. Titel von Merck KGaA verloren am Dax-Ende knapp zwei Prozent und setzten damit ihre Schwächephase fort.

Im MDax wurden die Aktien von EADS nach der Bekanntgabe von Details zum geplanten Jobabbau mit einem Minus von 2,71 Prozent am stärksten verkauft. Europas größter Luftfahrt- und Rüstungskonzern schließt beim angestrebten Abbau von 5800 Stellen betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Aufgrund langwieriger Verhandlungen mit den Gewerkschaften dürften die Einsparungen aus der Umstrukturierung kaum vor 2015 spürbar werden, kommentierte ein Händler. Celesio-Papiere gaben um ein Prozent nach. Der Finanzinvestor Paul Singer lehnte das Übernahmeangebot des US-Pharmagroßhändlers McKesson erwartungsgemäß ab.

Die anderen wichtigen Börsen in Europa präsentierten sich ebenfalls mit Verlusten. Der EuroStoxx 50 schloss 0,93 Prozent tiefer bei 2960,86 Punkten. Die Leitindizes in Paris und London gaben zwischen 0,3 und 1,0 Prozent nach. In den USA lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsende rund 0,2 Prozent unter dem Schlusskurs vom Vortag.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,50 (Vortag: 1,51) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,03 Prozent auf 133,06 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,09 Prozent auf 140,16 Punkte. Der Eurokurs stieg. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,3750 (1,3722) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7273 (0,7288) Euro.