Spekulationen zur Unzeit: BVB kämpft um Reus-Verbleib

Der Weg durch den Flughafen von Istanbul geriet zum Spießrutenlauf. Dicht umringt von türkischen Fans und Fotografen bahnte sich Marco Reus seinen Weg zum Mannschaftsbus.

Spekulationen zur Unzeit: BVB kämpft um Reus-Verbleib
Tolga Bozoglu Spekulationen zur Unzeit: BVB kämpft um Reus-Verbleib

Während Weltmeister wie Mats Hummels, Kevin Großkreutz oder Roman Weidenfeller nahezu unbehelligt ihr Ziel erreichten, wurde der Angreifer von Borussia Dortmund am Vortag des Champions-League-Duells mit Galatasaray Istanbul zu diversen Selfies und Autogrammen gezwungen.

Reus ist der momentan wohl größte Star im BVB-Kader - und der begehrteste. Das verdeutlichten auch die jüngsten Schlagzeilen über das Interesse des FC Bayern an einer Verpflichtung des Nationalspielers. Die sportliche Talfahrt des Revierclubs in der Bundesliga macht es wahrscheinlicher, dass Reus von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch macht und vorzeitig aus seinem bis 2017 datierten Vertrag aussteigt.

Denn ohne die Aussicht auf internationale Auftritte dürfte er kaum zu halten sein. Auf Fragen nach der Ankündigung von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, über einen Transfer von Reus nachzudenken, reagierte BVB-Trainer Jürgen Klopp unwirsch: «Das ist wirklich das Letzte, was mich im Moment interessiert.»

Rummenigge hatte am Montag die Spekulationen über einen Wechsel von Reus neu befeuert: «Ich muss offen und ehrlich sagen, wir werden das in aller Ruhe intern diskutieren und dann eine Entscheidung fällen. Die Klausel ist bekannt, mehr möchte ich dazu gar nicht sagen.» Der Münchner Ehrenpräsident Franz Beckenbauer legte wenig später via «Sky» nach: «Der FC Bayern befasst sich mit dem Thema Reus. Und wenn sich die Bayern mit etwas befassen, dann meinen sie das auch ernst.»

Bereits Anfang August waren die Münchner beim BVB in Ungnade gefallen. Rummenigges damaliger Verweis auf einen Vertragspassus, wonach Reus schon im nächsten Sommer für eine Ablösesumme von angeblich 25 Millionen Euro wechseln könnte, hatte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu einer deutlichen Reaktion veranlasst: «Borussia Dortmund registriert mit einer gewissen Verärgerung, dass sich Karl-Heinz Rummenigge über die Medien zurzeit im Drei-Tage-Rhythmus zu internen BVB-Angelegenheiten äußert». Damit nehme er «billigend in Kauf, dass das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München weiter beschädigt wird».

Auch diesmal ließ die Replik von Watzke nicht lange auf sich warten. «Alles was Rummenigge gesagt hat, bestätigt mich in meiner schon vorhandenen Meinung», sagte er der «Bild». Ähnlich gereizt äußerte sich der BVB-Chef einen Tag später auf der Reise nach Istanbul: «So ist er halt, das lässt sich nicht ändern.» Die Empörung kommt nicht von ungefähr. Schließlich hatte die Borussia in den vergangenen beiden Jahren bereits Mario Götze (37 Millionen Euro) und Robert Lewandowski (ablösefrei) an den Erzrivalen aus München verloren.

Dem Vernehmen nach versucht der Revierclub schon seit Monaten, dem auch von anderen Clubs wie dem FC Arsenal und Real Madrid umworbenen Reus die Ausstiegsklausel abzukaufen und wäre bereit, dessen Bezüge deutlich zu erhöhen. Doch der gebürtige Dortmunder sieht keinen Grund zur Eile. Spekulationen, nach denen dem Profi eine Frist bis Ende Oktober gesetzt wurde, wollte Watzke nicht bestätigen: «Zu laufenden Vertragsverhandlungen sagen wir grundsätzlich nichts.»