Formel 1 drückt bei Reformdebatte aufs Tempo

In der Dauerdebatte um eine spannendere und spektakulärere Formel 1 drängen die Teamverantwortlichen auf eine Tempoverschärfung und einschneidende Veränderungen. Auch beim Großen Preis von Österreich war die Krise der Königsklasse ein Top-Thema.

Formel 1 drückt bei Reformdebatte aufs Tempo
Herbert Neubauer Formel 1 drückt bei Reformdebatte aufs Tempo

«Bernie Ecclestone muss zusammen mit Jean Todt handeln und etwas ändern», appellierte etwa Red-Bull-Teamchef Christian Horner in Spielberg an den britischen Formel-1-Boss und den französischen Präsidenten des Internationalen Automobilverbandes FIA. «Und das möglichst schnell. Der Formel 1 läuft die Zeit davon.»

Eigentlich sind die Neuerungen für 2017 geplant. Angesichts drastisch sinkender Zuschauerzahlen und TV-Quoten in vielen traditionellen Motorsportländern sehen sich die lange in einem Elfenbeinturm logierenden Zuständigen aber inzwischen zum Handeln gezwungen.

Lange bewegte sich der Reformeifer im Schneckentempo. In Spielberg gab es indes deutliche Anzeichen für eine Beschleunigung. «Wir haben das Problem erkannt und arbeiten an Lösungen. Die Formel 1 wird ein anderes Gesicht erhalten», sagte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Aber eines sei auch sicher: «Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren.»

Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko forderte: «Die Änderung der Autos sollte so schnell wie möglich kommen. Wenn alle wollen, schon 2016.» Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff plädierte für schnellere und breitere Rennwagen ebenfalls schon in der kommenden Saison.

Zum österreichischen Grand Prix kamen am gesamten Wochenende nur noch knapp halb so viele Fans wie im Vorjahr, was den Zuständigen die alarmierende Situation schmerzhaft veranschaulichte. «Unser Produkt Formel 1 ist für die Leute nicht sexy genug. Die Regeln sind zu kompliziert, die Autos nicht dramatisch genug, die Rennen zu langweilig», gab Horner der «Bild am Sonntag» dafür als Gründe an.

Ecclestone räumte ein, das komplizierte Reglement verwirre die Zuschauer. «Wir müssen ein ganz genaues Auge auf all unsere Sportregeln richten», sagte er. Das Publikum verstehe es nicht, wenn es Strafen für alles Mögliche gebe. Als Beispiel führte er den Verlust von Startplätzen im Fall eines Motorwechsels an. In Spielberg bewegten sich diese Sanktionen zwischen 10 und 25 Positionen.

Die Macher sind sich darin einig, dass vor allem die Piloten als eigentliche Protagonisten wieder stärker in den Mittelpunkt rücken und auch körperlich mehr gefordert werden müssen. «Sie sind Gladiatoren», verglich Wolff die Fahrer mit den legendären Kämpfern der Römerzeit. «Sie sollen nach den Rennen aussehen wie Rennfahrer und nicht wie eine Ballerina.» Der dreifache Weltmeister Niki Lauda forderte, die Formel 1 brauche «wieder Männer, keine Jüngelchen».

David Coulthard, der seine Formel-1-Karriere 2008 beendet hatte, schrieb in seiner BBC-Kolumne: «Heute weiß ich von Fahrern, die am Abend vor dem Grand Prix noch Sponsorentermine haben oder auf irgendeiner Party rumhängen. Natürlich trinken sie nichts, aber es zeigt, wie wenig Stress sie im Auto haben.» Der Vizechampion erinnerte an die 80er Jahre: «Damals waren die Autos noch so etwas wie aufmüpfige Dinosaurier, die ihre Fahrer an die physischen Grenzen und darüber hinaus gebracht haben.»

Und auch das ständige Herumnörgeln am eigenen Produkt soll aufhören. «Wir umgeben uns mit lauter Blödheiten und reden uns die Formel 1 schlecht», polterte Lauda. Wolff sagte: «Wir dürfen die Formel 1 nicht schlecht reden.» Diese Kritik richtete sich auch gegen Ecclestone. Der mächtige Brite hatte sich in einem Interview beklagt, er müsse jetzt «ein beschissenes Produkt» verkaufen. Inzwischen bestritt er, dies jemals so gesagt zu haben. Fakt bleibt indes, dass Ecclestone und die Teams sich wegen teils konträrer Interessen in zentralen Fragen weiterhin blockieren, obwohl die Zeit drängt.