Spiele-Firma Electronic Arts findet Chef in eigenen Reihen

Nach einem halben Jahr Suche hat die unter Druck stehende Videospiele-Firma Electronic Arts einen neuen Chef in den eigenen Reihen gefunden. Das Rennen machte der 39-jährige Andrew Wilson, wie der US-Konzern am Dienstag im Firmenblog mitteilte.

Wilson ist seit 13 Jahren im Haus und war zuletzt für die Sportspiele-Sparte sowie das Onlineportal «Origin» verantwortlich. Electronic Arts steht hinter Hits wie der Simulation «Sims», dem Autorenn-Game «Need for Speed», dem Actionspiel «Command & Conquer» oder den «Fifa»-Fußballsimulationen. Zuletzt fehlte es aber immer öfter an Verkaufsschlagern, weil viele Menschen lieber zu Spielen für Smartphones und Tablets greifen oder im Web spielen. Im März war deshalb der langjährige Chef John Riccitiello gegangen. Die Aktie hatte in seiner Amtszeit angesichts wiederholt enttäuschender Zahlen rund zwei Drittel ihres Werts verloren.

Wilson kündigte in einem Interview mit dem «Wall Street Journal» an, EA werde weiter in die Entwicklung von Konsolen- und PC-Spielen investieren. Zugleich wolle er aber auch verstärkt Gratis-Spiele mit kostenpflichtigen Zusatzleistungen vorantreiben und das Geschäft in Schwellenländern ankurbeln. Rivalen wie Zynga («Farmville») hatten in den vergangenen Jahren den Markt mit kostenlosen Online-Spielen überflutet, bei denen man erst beim Kauf virtueller Güter bezahlen muss. Zynga kämpft derzeit mit eigenen Problemen, weil neuere Spiele die Nutzer nicht begeistern konnten.

Die Entwicklung von Konsolen-Spielen ist teuer, lohnt sich aber, solange man einen Hit landet. So kostete das neue Action-Spiel «Grand Theft Auto» den schottischen Entwickler Rockstar North der «Financial Times» zufolge rund 170 Millionen Pfund (gut 200 Mio Euro). Das ist die Liga eines Hollywood-Blockbusters. Allerdings stehen die Fans zum Start schlange und im ersten Jahr werden Einnahmen von einer Milliarde Pfund (1,2 Mrd Euro) erwartet. Wird ein so teures Spiel aber von den Gamern verschmäht, reißt es schnell ein empfindliches Loch auch in die Bücher eines Schwergewichts.

Mit der Berufung auf den Chefposten überspringt der Australier Wilson mehrere bisherige Vorgesetzte wie Peter Moore, der für das operative Geschäft zuständig ist. Er sei ein begeisterter Surfer und Anhänger der Kampfsport-Arts Brasilianisches Jujitsu, schrieb das «Wall Street Journal».