Spitzentreffen im Abgas-Skandal: VW-Chef will EPA besänftigen

Auf seinem ersten USA-Besuch im Abgas-Skandal wird es für den neuen VW-Chef Matthias Müller langsam ernst.

Der Konzernboss sei noch am Montag von der Automesse in Detroit gen Ostküste geflogen, hieß es aus Unternehmenskreisen. Zunächst sei Müller bei Gesprächen in der US-Firmenzentrale. Am Mittwoch trifft er dann in Washington auf die Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy. Es ist das erste Spitzentreffen im Abgas-Skandal des VW-Konzerns.

Die EPA prüft die Vorschläge, mit denen VW Manipulationen in etwa 580 000 Diesel-Autos in den USA beseitigen will. Wie das Lösungspaket, das den Aufsehern präsentiert werden soll, genau aussieht, ist zwar noch unklar. Doch VW-Chef Müller zufolge ist es durchaus denkbar, dass der Konzern mehr als 100 000 Autos zurückkaufen muss.

Die Kritik an VW hatte zuletzt weiter zugenommen - dem Konzern wird vorgeworfen, Dokumente zurückgehalten und Ermittlungen behindert zu haben. Müller ist nun gefordert, die verhärteten Fronten aufzuweichen und das Verhältnis zu den US-Behörden wieder zu reparieren.

Müller sagte dem NDR-Hörfunk am Montag in Detroit, dass die Variante Rückkauf statt Rückruf für die zweite der insgesamt drei betroffenen Motorgenerationen infrage komme. Hintergrund sei der große Nachbesserungsaufwand. «Diese Generation Zwei reparaturmäßig zu beheben, wäre ein erheblicher Aufwand finanzieller Art, aber auch von der Zeitleiste her. Und da muss man sich dann die Frage stellen, ob es nicht Alternativlösungen gibt», sagte Müller dem NDR wörtlich. Es gehe dabei um 103 000 Wagen.

Am 18. September hatte VW nach Vorwürfen der EPA eingeräumt, bereits seit 2009 mit einem «Defeat Device» genannten Computer-Programm Abgas-Messwerte frisiert zu haben. Die Beseitigung der Betrugs-Software, durch die die Abgasreinigung nur im Testmodus voll aktiviert wird, dürfte sich schwierig gestalten. Neben hohen Kosten für Rückrufe und -käufe drohen dem Konzern wegen der Manipulationen Milliardenstrafen.

Die gesamte deutsche Autoindustrie kämpft auf dem wichtigen US-Markt mit den Auswirkungen des «Dieselgate»-Skandals von Volkswagen. Als Folge der Abgas-Manipulationen sei die Diesel-Strategie «erheblich beschädigt», sagte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann in Detroit. Der VDA rechnet für dieses Jahr nur mit stagnierenden Absatzzahlen für die deutschen Hersteller in den USA.