Staatsanwälte ermitteln gegen Niersbach und Zwanziger

In der Affäre um das deutsche Sommermärchen hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die drei WM-Macher Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger sowie Horst R. Schmidt eingeleitet und den Druck auf den DFB damit weiter erhöht.

Staatsanwälte ermitteln gegen Niersbach und Zwanziger
Fredrik von Erichsen Staatsanwälte ermitteln gegen Niersbach und Zwanziger

Rund 50 Steuerfahnder durchforsteten außer der Verbands-Zentrale in Frankfurt auch die Privatwohnungen des amtierenden Präsidenten Niersbach, seines Vorgängers Zwanziger und des früheren DFB-Generalsekretärs Horst R. Schmidt. Die drei Mitglieder des WM-Organisationskomitees werden der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall verdächtigt, teilte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen in einem schriftlichen Statement mit. Darauf stehen laut Strafgesetzbuch zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft.

Gegen den damaligen OK-Chef Franz Beckenbauer - die eigentlich zentrale Figur in der seit Wochen schwelenden Affäre - wurden zunächst keine Ermittlungen bekannt. Möglicherweise weil er und sein enger Vertrauter Fedor Radmann in Österreich bzw. der Schweiz wohnen - und damit außerhalb des Zugriffsbereichs der Ermittler.

Im Kern geht es um die Rückzahlung jener ominösen 6,7 Millionen Euro, die der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zunächst vermutlich 2002 für das deutsche WM-OK an den Fußball-Weltverband überwiesen hatte und die dann 2005 getarnt als Beitrag für eine FIFA-Gala an den Franzosen zurückfließen sollten.

Aufgrund dieser falschen Deklarierung wirft die Staatsanwaltschaft Niersbach, Zwanziger und Schmidt nun vor, auch falsche Steuererklärungen für das Jahr 2006 zu verantworten. Körperschafts- und Gewerbesteuern sowie der Solidaritätszuschlag seien «in erheblicher Höhe» gekürzt worden, da das Geld als Betriebsausgabe steuermindernd geltend gemacht worden sei. Und das, obwohl dem Geld «tatsächlich ein anderer Zweck zugrunde lag und die Zahlung daher nicht als abzugsfähige Betriebsausgabe hätte geltend gemacht werden dürfen», kommentierte Niesen.

Wofür die Millionen aus dem Frühjahr 2005 tatsächlich bestimmt waren, ist weiter unklar. Die zentrale Frage, wohin das Dreyfus-Geld 2002 ursprünglich floss, genauso. «Die staatlichen Ermittler haben den Zugriff zu allen Unterlagen beim DFB. Es ist der richtige Weg, Licht ins Dunkel zu bringen», stellte Dagmar Freitag, Sportausschussvorsitzende im Bundestag, fest. Durch staatliche Ermittlungen bestehe jetzt eine echte Chance, die Sachlage zu klären, sagte die SPD-Politikerin.

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, ist dagegen zurückhaltend. «Man muss jetzt sehen, ob die Beweismittel überhaupt noch da sind oder ob das nur ein Schlag in den Nebel war», sagte er. Mit schnellen Ergebnissen rechnet er nicht.

Nach Darstellung des DFB handelt es sich bei den Dreyfus-Millionen im Ursprung um eine Provisionszahlung, die nur der Sicherung eines Organisationszuschusses durch die FIFA diente. Recherchen des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», die den Ursprung der gesamten Affäre bilden, legen jedoch eine mögliche Bestechung von FIFA- Funktionären schon vor der WM-Vergabe nahe.

Bei den Ermittlungen dreht es sich jetzt aber allein um vermeintliche Steuerhinterziehung. Andere mögliche Tatvorwürfe - etwa Untreue oder Bestechung im internationalen Geschäftsverkehr - sind laut Niesen bereits verjährt. Schwere Steuerhinterziehung sei «das Einzige, was nach Einschätzung all der Fakten, die bisher auf dem Tisch lagen, noch nicht verjährt war», sagte auch die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk von Transparency Deutschland. «Insofern musste man damit rechnen, dass die Steuerfahndung etwas unternimmt.»

Der DFB sagte der Staatsanwaltschaft in einer dürren Pressemitteilung seine «vollumfängliche Unterstützung» bei den Ermittlungen zu und betonte ansonsten, «selbst nicht Beschuldigter des Verfahrens» zu sein. Gegen Niersbach, Zwanziger und Schmidt wird in ihrer Eigenschaft als OK-Mitglieder ermittelt, nicht als DFB-Funktionäre.

Beckenbauer und Zwanziger hatten zuletzt schon vor einer vom DFB eingesetzten Untersuchungskommission ausgesagt. Der Verband hatte eine Wirtschaftsprüfungskanzlei eingeschaltet, um die Hintergründe der Zahlung im eigenen Haus zu klären. «Nach meinem Verständnis muss der DFB nur der Staatsanwaltschaft alle Unterlagen zur Verfügung stellen», sagte Freitag. Bei der Sportausschusssitzung am Mittwoch wird die WM-Affäre ebenfalls zum Thema.