Staatsschutz ermittelt nach Brand im Flüchtlingsheim

Wochenlang protestierten in Tröglitz Rechtsextreme gegen die Aufnahme von Asylbewerbern - nun ist in dem geplanten Flüchtlingsheim ein Feuer ausgebrochen.

Staatsschutz ermittelt nach Brand im Flüchtlingsheim
Hendrik Schmidt Staatsschutz ermittelt nach Brand im Flüchtlingsheim

Der Staatsschutz ermittle, es sei nicht auszuschließen, dass es sich um eine politisch motivierte Brandstiftung handele, sagte ein Sprecher der Polizei.

Das Feuer sei gegen zwei Uhr morgens ausgebrochen. Vor allem das zum Wohnbereich ausgebaute Dachgeschoss sei ausgebrannt. Der Dachstuhl war vollkommen verkohlt, die Fenster zersprungen. Die Flüchtlinge hätten im Mai dort einziehen sollen.

Der kleine Ort im Süden Sachsen-Anhalts ist bundesweit in den Schlagzeilen, seit der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth Anfang März wegen rechtsextremer Anfeindungen seinen Rücktritt erklärte. Er hatte keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als eine asylfeindliche Demonstration direkt vor seinem Haus genehmigt wurde. Der Protest gegen die geplante Unterbringung von 40 Flüchtlingen wird von der rechtsextremen Partei NPD angeführt.

Nierth zeigte sich entsetzt über das Feuer. «Davon wird Tröglitz sich wohl nie erholen», sagte er dem «Tagesspiegel». «Ich bin fassungslos, traurig und wütend zugleich.» Der Deutschen Presse-Agentur sagte der 46-Jährige: «Die Braunen dürfen über unseren Ort nicht siegen.» Außerdem bot er für die Flüchtlinge zwei private Wohnungen an. Er wünsche sich, dass andere seinem Beispiel folgten.

Nierth rief die Bürger außerdem zu einer spontanen Kundgebung gegen die Rechtsextremen am Nachmittag auf. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) kündigten Uhr eine Pressekonferenz in Halle mit der Staatsanwaltschaft an. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter: «Schlimmer Verdacht nach Brand in #Troeglitz macht fassungslos. Wir müssen weiter deutlich machen: Flüchtlinge sind bei uns willkommen!»

In dem Haus, in das die Flüchtlinge einziehen sollten, wohnen noch eine 50 Jahre alte Frau und ein 52-jähriger Mann. Beide konnten sich laut Polizei unverletzt ins Freie retten. Eine Nachbarin hatte beide rechtzeitig gewarnt. Die beiden wohnten auch im Dachgeschoss des Hauses - allerdings nicht direkt in dem für die Flüchtlinge vorgesehenen Bereich.

Die Brandursache sei unklar, betonte der Polizeisprecher. «Wir prüfen zur Zeit, inwieweit das Dachgeschoss, das am meisten vom Brand betroffen ist, begehbar ist.» Man erhoffe sich neue Erkenntnisse, wenn Ermittler und Kriminaltechniker dort arbeiten könnten. Derzeit überwache die Feuerwehr noch den Brandort, Anwohner kämen vorbei und schauten - es sei aber ruhig, hieß es.

Erst am Dienstagabend hatte Landrat Götz Ulrich (CDU) auf einer Einwohnerversammlung in Tröglitz über die Pläne zur Asylbewerberunterkunft informiert. Gut 500 Menschen hatten sich im örtlichen Kulturzentrum eingefunden, unter ihnen auch Nierth.

Ulrich musste Dutzende Fragen beantworten - und räumte auch Fehler ein. «Ich schließe nicht aus, dass ich und einige andere Verantwortliche im Vorfeld nicht ausreichend den Bewohnern zugehört haben», sagte der CDU-Politiker. Er habe aus dem Fall Tröglitz gelernt.