Stadtbummel statt British Open: Finalrunde am Montag

Ein heftiger Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 63 Stundenkilometern hat die Golfprofis bei der 144. British Open im schottischen St. Andrews gestoppt.

Nach stundenlangen Wartezeiten soll die zweite Runde am Samstagabend zu Ende gespielt werden, die Finalrunde aber wurde auf Montag verlegt. Erst einmal, 1988 beim Sieg des Spaniers Seve Ballesteros in Lytham and St. Annes, gab es so eine lange Verzögerung.

Zwar gaben die Organisatoren am Samstagmorgen um 7.00 Uhr den Start frei, mussten aber nach einer halben Stunde wegen heftiger Böen abbrechen. Wie am verregneten Vortag der Ratinger Marcel Siem, wurde nun der führende Dustin Johnson (USA/neun Schläge unter Platzstandard) nach zwei Schlägen gestoppt.

Einige Spieler äußerten sich kritisch zum Kurz-Start auf dem Old Course am Morgen. «Wir hätten niemals starten dürfen», sagte der zweimalige Majorsieger Jordan Spieth nach der Unterbrechung nach 30 Minuten. Der 21-Jährige, der bei fünf Schlägen unter Par bei Abbruch lag, kann mit einem Sieg der erste Golfer nach Ben Hogan 1953 werden, der die ersten drei Prestige-Turniere in einem Jahr gewinnt. Dann würde er auch an dem verletzten Nordiren Rory McIlroy in der Weltrangliste auf Platz eins vorbeiziehen.

So musste auch Siem noch mit der Abreise warten - er lag bei plus eins nach zwei Durchgängen auf dem Par-72-Kurs, der Halbzeitcut könnte bei Platzstandard stehen. Je schlechter die Bedingungen und damit die weiteren Ergebnisse, umso wahrscheinlicher die Teilnahme an den zwei Finalrunden.

Bernhard Langer (144 Schläge) lag gerade über der Cutlinie und vertrieb sich die Zeit mit seiner Familie. Sowohl Bruder Erwin als auch seine in Florida lebende Frau und drei seiner vier Kinder waren mitgereist. Der 57-Jährige hatte sich im vergangenen Jahr durch den Gewinn der Senior British Open qualifiziert und wird schon in der nächsten Woche das Major der Über-50-Jährigen in Sunningdale bei London spielen.

Auch Martin Kaymer (141) brachte am Freitag Durchgang zwei zu Ende und wartete auf die neuen Startzeiten nun erst für Sonntag. Der 30-Jährige aus Mettmann hofft noch auf eine Top-Ten-Platzierung beim einzigen europäischen Major, das noch nie ein Deutscher gewinnen konnte. Er triumphierte bei der PGA Championship (2010) und bei der US Open im vergangenen Jahr, Langer gewann zweimal das «Green Jacket» beim Masters in Augusta. Viele Profis vertrieben sich die Zeit beim Bummeln in dem kleinen Universitätsstädtchen.

Der Royal and Ancient Golf Club St. Andrews gab bekannt, dass die Zuschauer für Samstag ihre Tickets zu 60 Prozent erstattet bekommen. Eintrittskarten für Montag kosten nur zehn Pfund (14 Euro) - 70 Pfund preiswerter als zuvor.