F.W. Murnau: Einbruch des Grauens

Waren es fehlgeleitete Fans des Filmemachers oder irgendwelche Okkultisten? Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt ist immer noch fassungslos, wenn er an vergangenen Montag denkt.

Da entdeckte er auf dem Südwestkirchhof im brandenburgischen Stahnsdorf bei Berlin am Eingang zur Gruft des Stummfilm-Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau die eingedrückte Tür. Unbekannte waren in die Gruft eingedrungen und hatten den Kopf des einbalsamierten Toten gestohlen.

Vielen fällt sofort die gruselige Verbindung zum Werk des Regisseurs Murnau (1888-1931) ein, der 1922 mit seinem Vampir-Film «Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens», einer Dracula-Adaption, berühmt wurde.

Für Ihlefeldt ist der menschliche Schaden groß: «Dem Toten wurde die Würde genommen», klagt er. Verwüstungen habe es in der Gruft aber nicht gegeben, in dem Murnau und seine beiden Brüder Robert und Bernhard Plumpe ruhen. Doch als er den Deckel des Metallsarges hob, machte er die grausige Entdeckung.

Von den Tätern fehlt auch Tage nach dem Einbruch des Grauens jede Spur: Die Kriminalpolizei Potsdam ermittelt wegen Störung der Totenruhe und Diebstahls.

«Bereits in den 70er Jahren waren dort irgendwelche Vandalen eingedrungen und hatten die Glasscheibe zerstört, mit der der einbalsamierte Leichnam abgedeckt war», berichtet der Verwalter. Nun soll Murnaus Andenken nie wieder geschändet werden können. «Entweder wir mauern den Eingang dauerhaft zu, oder wir werden Murnau im Erdreich bestatten», kündigt Ihlefeldt an.

Vor Jahren bereits wurde auch der Leichnam des österreichischen Schauspielers Gustav Kadelburg (1851-1925) auf dem Prominentenfriedhof beerdigt, nachdem Zerstörungswütige in dessen Grabstätte ihr Unwesen getrieben hatten. «Als sie den Sargdeckel geöffnet hatten, sind sie allerdings vor dem grausigen Anblick des Leichnams geflohen», berichtet der Verwalter.

Sollte die Gruft Murnaus geschlossen werden, könnte Ihlefeldt auch keine Besuchergruppen mehr dorthin führen, die immer noch zahlreich kommen. Das Mausoleum ist kunstvoll ausgestaltet: Die verputzten Wände in Türkis gestrichen und ein blaues Mosaik mit goldglänzenden Sternen auf der gewölbten Decke. Murnaus Brüder Robert und Bernhard liegen in zugelöteten Zinksärgen in der Gruft. «Das war damals die übliche Methode, nach dem Ewigkeits-Gedanken sollten die Körper auf der Erde erhalten bleiben», erläutert Ihlefeldt.

Der Potsdamer Filmwissenschaftler Guido Altendorf sagt: «Murnau ist einer der bedeutendsten deutschen Regisseure und beeinflusst die deutschen Filmemacher noch heute.» Volker Schlöndorff sei beispielsweise ein großer Bewunderer von ihm. Mit «Nosferatu» sei Murnau zwar einem großen Publikum bekanntgeworden, aber für die Filmwelt seien seine folgenden Werke noch bedeutender.

«Für den Film «Der letzte Mann» wurde 1924 erstmals die Kamera vom Stativ genommen und es entstanden geradezu revolutionäre Einstellungen», sagt Altendorf. Es folgte der Ruf nach Hollywood in die Fox-Studios. «Dort bekam er volle künstlerische Freiheit und sein Film «Sunrise» bekam gleich drei der 1928 erstmals vergebenen Oscars», berichtet Altendorf.

Im Jahr 1931 verunglückte Murnau im Alter von 42 Jahren bei einem Verkehrsunfall in Kalifornien tödlich. Seine Leiche wurde einbalsamiert und nach Berlin gebracht. Monate nach seinem Tod gab es dort eine Trauerfeier mit großem Staraufgebot.