Starke Exporte und Konsum treiben deutsche Wirtschaft an

Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr wieder etwas stärker gewachsen - dank starker Exporte und konsumfreudiger Verbraucher. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg zum Vorquartal um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Damit kommt Europas größte Volkswirtschaft nach einem Dämpfer zu Jahresbeginn etwas besser in Fahrt - während sich das Wachstum im Euroraum insgesamt nach Angaben von Eurostat im Quartalsvergleich überraschend von 0,4 auf 0,3 Prozent abschwächte.

Volkswirte, die für Deutschland sogar mit 0,5 Prozent Wachstum gerechnet hatten, warnen jedoch vor Risiken auch für die deutsche Wirtschaft: «Die wirtschaftlichen Probleme Chinas haben die Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft erhöht», schreibt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Thomas Harms, Partner beim Beratungsunternehmen EY, bekräftigt: «Die Wachstumsdelle in China werden einige deutsche Konzerne, die dort sehr stark engagiert sind, schmerzlich spüren.» Vor allem für Autohersteller und Maschinenbauer ist China ein wichtiger Markt. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst so langsam wie seit 1990 nicht mehr.

Im zweiten Quartal beflügelte vor allem der Außenhandel die deutsche Konjunktur: Die Exporte stiegen nach vorläufigen Berechnungen des Bundesamtes viel stärker als die Importe. Die Exportnation Deutschland profitiert seit Monaten vom schwachen Euro. Das macht Waren «Made in Germany» auf den Weltmärkten günstiger. Deutschlands Exporteure legten das stärkste erste Halbjahr seit 2011 hin und sind für das Gesamtjahr 2015 auf Rekordkurs.

Zudem begünstigt der niedrige Ölpreis viele Unternehmen - und stärkt zugleich die Kaufkraft der Verbraucher. Denn sie können tendenziell günstiger tanken und heizen und haben deshalb mehr Geld für andere Dinge übrig. Das schiebt den Konsum als Konjunkturtreiber an. Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben entwickelten sich nach Angaben der Wiesbadener Statistiker weiterhin positiv. Details zum zweiten Quartal gibt es vom Bundesamt am 25. August.

«Die Konjunktur kann sich derzeit auf den Konsum und den Export verlassen», kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. Angesichts des Zuwachses sei die DIHK-Prognose von 1,8 Prozent Wachstum für das Gesamtjahr realistisch. Wansleben relativierte allerdings: «Ein Gutteil hiervon ist dem «Doping» durch geringe Zinsen und Ölpreise sowie dem niedrigen Wechselkurs zu verdanken. Doch darauf können wir nicht dauerhaft setzen.» Im Gesamtjahr 2014 hatte die deutsche Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent zugelegt.

Zum Jahresauftakt 2015 war der deutsche Konjunkturmotor etwas ins Stottern geraten: Nach einem starken Schlussquartal 2014 mit einem Wachstum von - leicht nach unten korrigierten - 0,6 Prozent gab es in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres ein deutlich geringeres Plus von 0,3 Prozent. Im ersten Quartal bremste der Außenbeitrag - die Differenz von Exporten und Importen: Zwar wurden seinerzeit mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als Ende 2014. Doch die Einfuhren nach Deutschland stiegen noch kräftiger.

Im zweiten Quartal bremsten schwache Bruttoinvestitionen das Wachstum in Deutschland: Insbesondere in Bauten wurde weniger Geld gesteckt als in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres. Zudem wurden wegen des milden Winters viele Bauarbeiten schon zu Jahresbeginn abgeschlossen.

Im Vergleich mit dem jeweiligen Vorjahreszeitraum erhöhte sich das Wirtschaftswachstum um 1,6 Prozent (Deutschland) beziehungsweise 1,2 Prozent (Euroraum) - nach 1,2 Prozent (Deutschland) beziehungsweise 1,0 Prozent (Euroraum) im ersten Quartal 2015.