Starker Dollar gibt SAP Aufwind

Der starke Dollar hat das Wachstum des Softwarekonzerns SAP im ersten Quartal beflügelt - und die Aktie gleich mit. Die SAP-Papiere legten am Dienstag im Tagesverlauf mehr als zwei Prozent zu und erreichten ihren höchsten Stand seit 15 Jahren.

Zwar schrumpfte der Gewinn deutlich, weil Investitionen in das neue Geschäft mit Abo-Modellen - der sogenannten Cloud-Sparte - kosten. Doch das störte die Börsianer diesmal nicht.

SAP-Chef Bill McDermott versprach, dass die Kosten mit wachsenden Umsätzen in dem Bereich mehr und mehr ausgeglichen würden. «Wir haben kein Interesse daran, negatives Wachstum, aber ein gutes Kostenmanagement zu verkünden», sagte er am Dienstag.

Die Dollar-Stärke sowie die jüngsten Übernahmen des Reisekosten-Spezialisten Concur und des Personaldienstleisters Fieldglass verliehen SAP zum Jahresauftakt im ersten Quartal einen kräftigen Schub. Die Umsätze legten um 22 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro zu. SAP macht dank der Übernahmen inzwischen 32,5 Prozent seiner Umsätze in den USA.

Angesichts der aktuellen Euro-Schwäche dürfte sich der positive Effekt auch im zweiten Quartal fortsetzen. Alle Regionen hätten aber zu dem starken Wachstum beigetragen, betonte McDermott. Selbst der brasilianische Markt habe sich erholt.

Dank der Übernahmen konnte SAP auch seine Umsätze im neuen Cloud-Geschäft mehr als verdoppeln. Die Kehrseite: Der Aufbau des Abo-Geschäfts drückte auf den Gewinn. Nach Steuern verdiente SAP mit 413 Millionen Euro 23 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Der Trend ist nicht neu: Schon zum Jahresbeginn hatte SAP wegen des Umbaus seine mittelfristige Prognose bis 2017 kassiert. Umsatz und Gewinn sollen niedriger ausfallen als zuvor anvisiert.

Der Softwarekonzern ist zwar Marktführer für Programme zur Unternehmenssteuerung, die Buchhaltung, Logistikprozesse oder Personalmanagement abbildet. Doch sein angestammtes Geschäft mit Softwarelizenzen wuchs in der Vergangenheit kaum noch - im ersten Quartal nur dank des starken Dollars. Deshalb setzt SAP mehr und mehr auf Software, die vermietet wird: das sogenannte Cloud-Modell.

Da SAP für die Umstellung auf das Miet-Modell erst einmal Geld in die Hand nimmt, die Umsätze aber über einen längeren Zeitraum gestreckt werden als früher, drückt das auf den Gewinn. Hinzu seien im ersten Quartal Kosten für Übernahmen, aktienbasierte Boni für Mitarbeiter sowie für den angelaufenen Personalumbau gekommen, sagte Finanzchef Luka Mucic.

Weil durch die Umstellung auf Cloud Computing Jobs überflüssig werden, hat SAP kürzlich ein Abfindungsprogramm aufgelegt. Damit sollen drei Prozent oder rund 2000 der weltweit etwa 74 000 Mitarbeiter zum Wechsel bewegt werden. Im ersten Quartal seien dafür schon 50 Millionen Euro angefallen, sagte Finanzchef Mucic. Auf das Jahr gesehen werden es 150 bis 250 Millionen Euro sein.