Start für Jahrhundertprojekt Klosterstadt in Meßkirch

Moderne Maschinen und selbst Schubkarren sind verpönt. Nur mit mittelalterlichen Methoden bauen Handwerker in Meßkirch eine ganze Klosterstadt. Das in Deutschland einmalige Projekt soll Zehntausende von Touristen anziehen.

Start für Jahrhundertprojekt Klosterstadt in Meßkirch
Marc Herwig

Sie bauen nur mit Muskelkraft und Ochsenkarren: In Meßkirch (Baden-Württemberg) haben die Bauarbeiten für eine mittelalterliche Klosterstadt begonnen. Handwerker wollen dort eine ganze Stadt mit rund 50 Häusern und einer Kathedrale für 2000 Menschen errichten. Weil sie dabei komplett auf moderne Technik verzichten, sind die Arbeiten auf dem sogenannten Campus Galli ein wahres Jahrhundertprojekt: Fertig wird die Stadt wohl frühestens in 40 Jahren. Die Baustelle soll vor allem ein Touristen-Magnet sein, aber auch Wissenschaftler erhoffen sich neue Erkenntnisse für die experimentelle Archäologie.

Es gehe darum, eine weitgehend autark funktionierende Klosteranlage aufzubauen, sagte Initiator Bert Geurten. «Mönche sollten das Kloster früher nicht verlassen. Das heißt, es musste innerhalb der Klostermauern alles geben - vom Bauern über Handwerker bis hin zu Ärzten.»

Vorlage für das Mammut-Projekt ist ein fast 1200 Jahre alter Bauplan. Ein wissenschaftlicher Beirat ist eingebunden. Es gehe um einen Erfahrungsaustausch, sagte Geurten. Durch die Arbeiten für die Klosterstadt könnten sich im Rahmen der experimentellen Archäologie neue Erkenntnisse über das 9. Jahrhundert ergeben. Außerdem sollen die Wissenschaftler darauf achten, dass alles möglichst bis ins Detail hinein so abläuft wie im 9. Jahrhundert.

Dadurch sollen sich die Besucher der Baustelle unmittelbar ins Mittelalter zurückversetzt fühlen. Mittelfristig rechnen die Organisatoren mit 180 000 Interessierten im Jahr. Für die ersten vier Jahre leisten die Europäische Union, die Stadt, und der Kreis eine Anschubfinanzierung von rund einer Million Euro.

Für die Behörden war das Genehmigungsverfahren für die Klosterstadt eine außergewöhnliche Herausforderungen. Denn der alte Plan musste zunächst mit den aktuellen Bauvorschriften in Einklang gebracht werden. Deshalb hatte sich der Baubeginn zuletzt immer wieder verschoben.