Start ins Wissenschaftsjahr für die «Zukunftsstadt»

Wie wappnen sich die deutschen Großstädte für die ökologischen und sozialen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Wissenschaftsjahr 2015, das von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) eröffnet wurde.

Die heutige moderne Stadt sei in 150 Jahren gewachsen - «der Stadtumbau muss sich sehr viel schneller vollziehen», erklärte Wanka bei der Auftaktveranstaltung in Berlin. Zur Schaffung von lebenswerten und klimaneutralen Großstädten brauche man dringend Antworten auf die demografische Entwicklung und die künftige Energieversorgung.

Erste Anstöße für praxistaugliche Lösungen soll das Wissenschaftsjahr liefern. Unter dem Motto «Zukunftsstadt» sind in den kommenden Monaten mehrere hundert Gesprächsrunden, Ausstellungen und Wettbewerbe geplant. Das Bundesbildungsministerium unterstützt die Veranstaltungsreihe mit sechs Millionen Euro und stellt darüber hinaus für verschiedene Forschungsprojekte in den kommenden fünf Jahren insgesamt 150 Millionen Euro zur Verfügung.

Hintergrund ist die wachsende Anziehungskraft der Metropolen. Im Jahr 2007 lebte erstmals die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, in Deutschland liegt der Anteil sogar noch höher. Deshalb gehen aber auch drei Viertel des weltweiten Energieverbrauchs auf das Konto der Städte sowie 70 Prozent der von Menschen erzeugten Treibhausgase. Die Metropolen brauchen also neue Energie- und Verkehrskonzepte, müssen jedoch gleichzeitig auch bezahlbaren Wohnraum für die zahlreichen Neuankömmlinge schaffen.

Beim notwendigen Umbau müssten aber auch die Wünsche der betroffenen Einwohner stärker als bisher berücksichtigt werden, mahnte Wanka. Der Parlamentarische Staatssekretär Florian Pronold (SPD) aus dem Bundesbauministerium fasste die zahlreichen Anforderungen bildhaft zusammen: «Die Zukunftsstadt ist die Eier legende Wollmilchsau.»

Um sich dem Problem zu nähern, hatte die Bundesregierung vor zwei Jahren bereits die Nationale Plattform Zukunftsstadt (NPZ) gegründet. 100 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft sollen dort Ideen für eine klimaneutrale und gleichzeitig bürgerfreundliche Stadt entwickeln.

NPZ-Sprecher Michael Krautzberger von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz warb zum Auftakt des Wissenschaftsjahres für eine stärkere Bürgerbeteiligung. Das bedeute nicht nur die Information der Bevölkerung, sondern auch die Möglichkeit zum Mitgestalten. Beim Stadtumbau müssten verschiedene Interessen zusammengebracht werden, sagte Krautzberger und erläuterte dies am Beispiel der sächsischen Stadt Görlitz: Für den CO2-neutralen Umbau könne man dort alle Fachwerkhäuser komplett verhüllen - dann gebe es in Görlitz aber keine schöne Altstadt mehr.