Staunen über Tor-«Phänomen» Müller - Bayern auf Kurs

Mit einem traumhaften Blick über Athen und auf die Akropolis konnten Akkord-Torjäger Thomas Müller und seine Kollegen des FC Bayern den Fußball-Abend nach getaner Arbeit gemütlich ausklingen lassen.

Staunen über Tor-«Phänomen» Müller - Bayern auf Kurs
Andreas Gebert Staunen über Tor-«Phänomen» Müller - Bayern auf Kurs

Das imposante Bankett-Ambiente in einer lauen Sommernacht auf der Dachterrasse des Mannschaftshotels hatte schon Endspiel-Klasse, das reife 3:0 (0:0) des FC Bayern beim griechischen Serien-Meister Olympiakos Piräus war jedoch nur ein verheißungsvoller Beginn der ambitionierten Münchner Champions-League-Kampagne 2015/16.

«Es ist immer wichtig, dass man in die Gruppenphase gut reinkommt», sagte Karl-Heinz Rummenigge, der sich in seiner kurzen Ansprache zu vorgerückter Stunde betont kurz hielt. «Das habt ihr gut gemacht. Bravo!», rief der Vorstandsvorsitzende um kurz nach ein Uhr den Spielern zu.

«Wahnsinnig gut!», lobte sogar Trainer Pep Guardiola, der stolz auf die beendete Siegesserie von Olympiakos im gefürchteten Karaiskakis-Stadion verwies. «Ich weiß, für die Leute ist es normal, als FC Bayern in Piräus zu gewinnen. Für mich ist es das nicht. Man muss nur schauen, wie Atlético Madrid, Juventus Turin und Malmö hier gespielt haben», erinnerte der Spanier an die Niederlagen des Trios in der vergangenen Saison. «Große Gratulation an alle Spieler. Es ist nur der erste Schritt, aber ein guter», erklärte Guardiola.

Im Mittelpunkt der Gratulationen stand schon wieder Thomas Müller. Es müllert ja nicht nur in der Bundesliga (6 Tore in vier Spielen) und der Nationalmannschaft (3 Tore in zwei Länderspielen). Es müllerte auch doppelt beim 12. Bayern-Auftaktsieg in Serie in der Champions League. «Phänomene kann man nicht erklären», sagte Sportvorstand Matthias Sammer zum unglaublich anmutenden Lauf des Weltmeisters.

In der 52. Minute erzielte Müller das erlösende 1:0. Und nach dem Joker-Tor des eingewechselten Mario Götze (89.) erhöhte der 26 Jahre alte Angreifer in der Nachspielzeit sein Trefferkonto in der Königsklasse per Foulelfmeter auf 30. «Er scored unglaublich - und das nicht nur in dieser Saison, sondern über Jahre, ob in der Nationalmannschaft oder beim FC Bayern», schwärmte Philipp Lahm.

Symptomatisch für den famosen Lauf des Angreifers war das kuriose 1:0, das Schlitzohr Müller in «einer ehrlichen Version» als Versehen schilderte. Von der rechten Außenlinie wollte der 26-Jährige eine «sehr scharfe Flanke» auf Robert Lewandowski schlagen. Der Ball sei ihm jedoch «klassisch abgerutscht», doch je länger er in der Luft war, um so «gefährlicher» sei die Flugbahn geworden. «Dann habe ich staunend hinterhergeschaut. Am Ende war der Ball drin, das war schon ein bisschen glücklich», erzählte Müller.

Kein bisschen glücklich war der Sieg der abgeklärten Münchner Startruppe. Und Matchwinner Müller ordnete ihn als besonders wertvoll ein: «Hier wird keiner die Punkte einfach so mitnehmen, sondern harte Arbeit leisten müssen. Wir haben jetzt drei Punkte und ein Heimspiel. Deswegen sind die Aussichten ganz gut.» In zwei Wochen können gegen Dinamo Zagreb, das überraschend den FC Arsenal mit 2:1 besiegte, schon frühzeitig die Weichen Richtung Achtelfinale gestellt werden.

Noch auf der Dachterrasse «Akropolis» wurden von den Bossen gleich die nächsten Aufträge an die Belegschaft formuliert, die in dem stark humpelnden Torjäger Robert Lewandowski, dem umsichtigen Dirigenten Xabi Alonso und dem von Franz Beckenbauer als «Standfußballer» gescholtenen Neuzugang Arturo Vidal gleich drei angeschlagene Spieler beklagte. «Wir haben jetzt diesen großen Rhythmus, drei Spiele pro Woche. Es geht schon am Samstag weiter in Darmstadt, dann am Dienstag gegen Wolfsburg. Dieser Rhythmus wird uns viel abverlangen», sagte Rummenigge und empfahl Müller und Co.: «Macht weiter so!»

Von der antiken Akropolis in Athen ins betagte Darmstädter Böllenfalltor - ein größeres fußballerisches Kontrastprogramm geht kaum. «Aber in so einem Spiel wie gegen Darmstadt darfst du keine Punkte abgeben», stellte Sammer fest.