Steinmeier sieht Deutschland in Afrika stärker in Pflicht

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sieht Deutschland auf dem afrikanischen Kontinent stärker in der Pflicht. «Wir müssen uns Afrika neu stellen», sagte Steinmeier bei einem Besuch in Ruanda.

In der Bundesrepublik gelte Afrika immer noch zu sehr als «Kontinent der Krisen und Konflikte». Heute gebe es dort auch stabile Regionen. Deutschland habe ein Interesse an engeren Beziehungen, nicht nur wegen der wirtschaftlichen Möglichkeiten.

Steinmeier verwies unter anderem auf die deutsche Unterstützung für afrikanische Friedensmissionen. Im Nachbarland Kongo, an der Grenze zu Ruanda, unterstützt die Bundesrepublik eine UN-Friedensmission mit mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr. Zugleich lobte er Ruanda als «Anker der Stabilität».

Der SPD-Politiker kam in der Hauptstadt Kigali auch mit Präsident Paul Kagame zusammen. Anschließend besuchte er das nationale Gedenkzentrum, das an den Völkermord 1994 erinnert. Damals wurden in Ruanda bei Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Volksgruppen mehr als 800 000 Menschen getötet.

Ruandas Außenministerin Louise Mushikiwabo appellierte mit Nachdruck an Deutschland, in Afrika mehr Verantwortung zu übernehmen. «Wir sehen in Europa nur drei Staaten: Großbritannien, Frankreich und Belgien. Es ist unnatürlich, dass Deutschland in unserer Region abwesend ist.» Als «weltweit wichtiger Player» sollte die Bundesrepublik eine größere Rolle spielen.

Von April bis Juli 1994 wurden in Ruanda mehr als 800 000 Tutsis und gemäßigte Hutus brutal getötet. Erst nach 100 Tagen gelang es der Tutsi-Rebellenarmee «Ruandische Patriotische Front» unter Führung von Kagame, das Land wieder unter Kontrolle zu bringen. Seit 2000 regiert Kagame als Präsident mit eiserner Hand. Das Elf-Millionen-Einwohner-Land hat sich aber auch zu einem Vorbild in den Bereichen Informationstechnologie und Umweltschutz entwickelt.