Sternstunde in Madrid - 7 Tore und viele Protagonisten

Welch ein denkwürdiger Fußballabend im Estadio Santiago Bernabéu! Auch wenn es zum Weiterkommen nicht ganz reichte, feierten die Schalker Fans bis tief in die Nacht ihre Mannschaft nach der Gala-Vorstellung beim 4:3 (2:2) gegen Titelverteidiger Real Madrid.

Sternstunde in Madrid - 7 Tore und viele Protagonisten
Ina Fassbender Sternstunde in Madrid - 7 Tore und viele Protagonisten

Nur ein Tor fehlte, um das 0:2 aus dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League wettzumachen. «Wir haben gemischte Gefühle», sagte Schalkes Trainer Roberto Di Matteo und fügte hinzu: «Wir schießen vier Tore und zeigen eine super Leistung, sind aber ausgeschieden.» Reals deutscher Mittelfeldstar Toni Kroos war unterdessen «nicht unglücklich, als Schluss war.» Viele Protagonisten standen am Dienstagabend im Mittelpunkt:

Roberto Di Matteo wurde in seiner Schalker Zeit oftmals wegen seiner defensiven Ausrichtung kritisiert. In Madrid setzte der Trainer ganz auf Offensive und wurde reichlich belohnt. Vier Tore in Bernabéu gelangen im Europacup zuvor nur dem FC Bayern beim 4:2 im Februar 2000. Schon beim 3:1 gegen Hoffenheim hatten die Schalker zuletzt offensiv geglänzt. Di Matteo will attraktiven und torgefährlichen Fußball spielen lassen. Seinem Ziel kommt er immer näher.

 19 Jahre jung, aber kein bisschen ängstlich. Max Meyer kurbelte das Schalker Spiel immer wieder an und leitete viele Offensivaktionen ein. Mit seiner feinen Technik tut er dem Spiel der Königsblauen gut. Hatte er zu Beginn der Amtszeit von Di Matteo um seinen Stammplatz zittern müssen, ist er jetzt kaum aus dem Team wegzudenken.

 Leroy wer? Gerade einmal sechs Bundesligaspiele hat Leroy Sané in der Bundesliga bestritten. In Madrid kam er nach gut einer halben Stunde für den verletzten Eric-Maxim Choupo-Moting zu seinem Champions-League-Debüt. Und was für einen Einstand legte der Youngster hin. Sané traf zum 3:3 und hatte kurz vor Schluss sogar das 5:3 auf dem Fuß. «Besser kann man es sich nicht vorstellen», sagte Sané treffend.

 100 Tage hatte Klaas-Jan Huntelaar nicht mehr getroffen, an alter Wirkungsstätte in Madrid platzte der Knoten. Mit zwei Toren war der Niederländer der Schalker Matchwinner. Es dürfte eine große Erleichterung für den «Hunter» nach der bislang völlig missratenen Rückrunde gewesen sein. Am 18. Spieltag hatte er wegen eines Frustfouls Rot gesehen und war für vier Spiele gesperrt worden. Auch nach der Auszeit klappte es mit dem Toreschießen nicht mehr - bis Dienstagabend in Madrid.

 Sieben Tore in vier Spielen - der Schalker Alptraum heißt Cristiano Ronaldo. Der Weltfußballer ist eine Klasse für sich, auch wenn der ganz große Glanz diesmal fehlte. Durch seine zwei Tore hat er nun schon 75-mal in der Champions League getroffen und mit Rekordschütze Lionel Messi gleichgezogen. Ronaldo hat mal wieder für den Unterschied gesorgt und die Rekordjagd geht weiter.

 Als Sami Khedira in der 58. Minute ausgewechselt wurde, ertönte von den Rängen ein Pfeifkonzert. Nichts Neues für den deutschen Weltmeister, hat er doch einen schweren Stand bei Real Madrid. «Ich wurde auch schon ausgepfiffen, als ich eingewechselt wurde», sagte Khedira dem TV-Sender Sky. «Ich gebe aber alles für den Verein. Ich bin seit fünf Jahren hier, vier davon war ich Stammspieler.» Sein Vertrag in Madrid läuft aus. Womöglich hat er am Dienstag gegen seinen zukünftigen Verein gespielt. Schalke 04 ist an einer Verpflichtung interessiert.

 Über Jahre hinweg galt Iker Casillas als weltbester Torhüter. Die große Zeit von «San Iker» scheint aber vorbei zu sein. Schon bei der WM in Brasilien machte der Schlussmann von Real Madrid eine traurige Figur, auch bei Real Madrid leistet sich Casillas häufig Patzer. Ähnlich im Spiel gegen Schalke: Der erste Gegentreffer schien haltbar, beim zweiten Tor lässt er den Ball nach vorne abprallen. Immerhin: Als Schalke in den letzten Minuten auf Tor Nummer fünf drängte, war Casillas zur Stelle.