Österreicher Reichelt Super-G-Weltmeister

Zwölf Jahre nach Altmeister Stephan Eberharter hat Hannes Reichelt Österreichs Ski-Herren wieder einen Weltmeistertitel im Super-G gesichert.

Österreicher Reichelt Super-G-Weltmeister
Jean-Christophe Bott Österreicher Reichelt Super-G-Weltmeister

Der 34-Jährige gewann in Beaver Creek mit elf Hundertstelsekunden Vorsprung auf den überraschend starken Kanadier Dustin Cook, der sich mit Startnummer 28 sensationell Silber sicherte. Cooks beste Weltcup-Platzierungen waren zwei zwölfte Plätze diese Saison in Gröden - und ebenfalls Beaver Creek im Dezember. WM-Dritter wurde der Franzose Adrien Theaux.

Topfavorit Kjetil Jansrud aus Norwegen ging dagegen leer aus. Dem 29-Jährigen blieb nur der mit Reichelts Teamkollegen Matthias Mayer geteilte vierte Rang, obendrein tat sich Jansrud bei seiner Fahrt noch weh. Die deutschen Hoffnungen auf Top-15-Plätze erfüllten sich bei bestem Winterwetter in den Rocky Mountains dagegen nicht. Andreas Sander lag nach 39 Fahrern auf Rang 23, Josef Ferstl war 25., Klaus Brandner 28. «Bis zur Bodenwelle war ich gut unterwegs, und dann passiert mir der Fehler. Es gibt Stellen, da muss man einfach mit Hirn fahren», kommentierte Brandner.

Außer dem neuen Weltmeister Reichelt und dem gleich zweimal erfolgreichen Eberharter hat einzig Hermann Maier WM-Gold im Super-G für den Österreichischen Skiverband gewonnen. «Es ist irgendwie eine Erleichterung, mich selbst zu bestätigen ist das Schönste», sagte Reichelt, der Olympia in Sotschi wegen einer Bandscheiben-Operation verpasst hatte.

Pech bei seinem Renn-Comeback auf der Birds of Prey hatte US-Altstar Bode Miller. Als neunter Starter des Feldes war er bei der dritten Zwischenzeit in Führung, ehe er mit dem linken Arm an einem Tor hängen blieb und zu Fall kam. Der 37-Jährige handelte sich eine Fleischwunde an der rechten Wade ein. Miller musste ins Krankenhaus. Sein Start in der Abfahrt scheint gefährdet - zumal Miller erst Mitte November am Rücken operiert worden war.

Erfolgreicher unterwegs war in Aksel Lund Svindal ein zweiter Rekonvaleszent. Dreieinhalb Monate nach seinem Achillessehnenriss fuhr der 32-Jährige mit einem Spezialschuh auf einen starken sechsten Platz. Zwischenzeitlich hatte der Norweger gar vorn gelegen - was die tausenden US-Zuschauer auf der Tribüne bei Sonnenschein zum Toben brachte und auch Kitzbühel-Held Didier Cuche die Arme hochreißen ließ. Svindal ließ sich beglückt mit ausgebreiteten Armen in den Schnee fallen und küsste innig seine Skier.

Svindals Landsmann Jansrud, der die Speeddisziplinen in dieser Weltcup-Saison bisher dominiert hatte, tat sich bei seiner Fahrt durch einen Schlag auf die Torstange weh: Gebückt ging er aus dem Zielbereich heraus, konnte seinen linken Arm nur eingeschränkt bewegen, beim Ausziehen der Skier musste ihm geholfen werden. Am Ende reichte es nicht einmal zu Bronze.

Klaus Brandner wurde von einer Windböe erwischt und verpasste auch deswegen eine bessere Zeit. Letztlich fehlten dem Bayern mehr als zwei Sekunden auf den neuen Weltmeister Reichelt - im Ziel schlug er sich beide Hände vor das Gesicht und beugte sich vornüber. «Ihn hat der Wind erwischt. Das ist schade, aber es ist leider so», kommentierte Ferstl, der nur knapp vor seinem Teamkollegen landete.

Der 26-Jährige war allerdings ebenso unzufrieden und gab sich selbstkritisch: «Ich bin im Mittelteil gut gefahren, habe unten und oben aber viel Zeit verloren. Da bin ich nicht mutig genug gewesen, so kommt der Rückstand zustande», gestand Ferstl. In der Abfahrt wolle er auf jeden Fall «mehr riskieren», wie der Sohn des zweimaligen Kitzbühel-Siegers Sepp Ferstl ankündigte.