Stiftung verliert Einfluss: Bollwerk von ThyssenKrupp bröckelt

Die mächtige Krupp-Stiftung, die als Bollwerk gegen feindliche Übernahmen bei ThyssenKrupp galt, hat an Einfluss bei dem angeschlagenen Industriekonzern verloren. Die Beteiligung der Stiftung ist auf 22,99 Prozent und damit unter die Sperrminorität gesunken.

Das teilte eine Sprecherin in Essen mit. Bislang konnte die nach dem Tod von Alfried Krupp testamentarisch verfügte Stiftung mit einer Beteiligung von 25,3 Prozent wichtige Beschlüsse der Hauptversammlung blockieren.

Die nach dem Tod des Krupp-Patriarchen Berthold Beitz von der Wissenschaftlerin und Rektorin der Technischen Universität Dortmund, Ursula Gather, geführte Stiftung hatte sich nicht an einer von dem Konzern durchgeführten Erhöhung des Grundkapitals um zehn Prozent beteiligt. Die Stiftung bleibe aber verlässliche Ankeraktionärin des Konzerns, erklärte Gather am Dienstag.

Der finanziell angeschlagene Industriekonzern wollte sich durch die Kapitalerhöhung Luft verschaffen. Knapp 900 Millionen Euro flossen dadurch in die Kassen des Unternehmens, wie ThyssenKrupp mitteilte. Die Aktien seien überwiegend bei langfristig orientierten Investoren platziert worden, erklärte Finanzvorstand Guido Kerkhoff.

Zunächst war unklar, ob sich auch der Großaktionär Cevian an der Kapitalerhöhung beteiligt hatte. Eine Sprecherin des Investors lehnte auf Anfrage einen Kommentar dazu ab. Cevian war zuletzt mit 6,1 Prozent an dem Unternehmen beteiligt und damit zweitgrößter Einzelaktionär hinter der Krupp-Stiftung. Der schwedische Investor hatte zuletzt eine Aufstockung seines Anteils nicht ausgeschlossen.

Am Montagabend hatte der Industriekonzern damit begonnen, knapp 51,5 Millionen neue Papiere zu einem Preis von 17,15 Euro je Aktie zu platzieren. Der Preis lag damit um 2,75 Prozent unter dem Schlusskurs am Montag. Nach den am Wochenende bei einer eilig einberufenen Bilanzpressekonferenz verkündeten Hiobsbotschaften war der Kurs am Montag um über acht Prozent eingebrochen. Am Dienstag verloren die Aktien weiter an Boden und lagen am Nachmittag um knapp 2 Prozent im Minus.

ThyssenKrupp steckt seit geraumer Zeit in der Krise und benötigt das frische Geld, um seine Schuldenlast zu senken und das Eigenkapital zu stärken. Im vergangenen Geschäftsjahr (Ende September) stand unter dem Strich ein Verlust von 1,5 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote war zuletzt auf nur noch 7,1 Prozent gesunken. Durch die Kapitalerhöhung soll das Eigenkapital wieder deutlich ansteigen.