Streik bei Germanwings: 100 Flüge fallen aus

Im Streit um Einschnitte bei der Altersregelung hat am Donnerstagmittag ein zwölfstündiger Pilotenstreik bei der Lufthansa-Tochter Germanwings begonnen. Rund 100 Flüge mussten bundesweit gestrichen werden.

Betroffen waren nach Angaben der Fluglinie rund 13 000 Passagiere vor allem von Inlandsflügen. Die Urlauberflüge aus dem Ausland - überwiegend den Mittelmeerländern - fanden dank eines Ersatzflugplanes komplett statt, sagte ein Germanwings-Sprecher.

Die Lufthansa will, dass ihre Piloten später in den bezahlten Vorruhestand gehen - die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit wehrt sich dagegen.

Besonders vom Streik betroffen waren die Flughäfen in Köln/Bonn, Stuttgart, Hamburg und Berlin. In Köln fielen je 23 An- und Abflüge aus, in Stuttgart 21, in Hamburg und Berlin je 17. Da die meisten Fluggäste vorab per Mail oder SMS erreicht wurden oder von sich aus umgebucht hätten, gebe es aber keine Warteschlangen auf den Flughäfen, sagte der Sprecher.

«Kaum was los an den Flugschaltern», sagte eine Augenzeugin. Viele seien auf die Bahn ausgewichen. Dort lief der Verkehr nach dem Ende eines 14-stündigen Lokführerstreiks seit Donnerstag früh wieder weitgehend reibungslos.

In dem Tarifkonflikt geht es um die Übergangsrenten für 5400 Piloten und Co-Piloten der Fluggesellschaften Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings. Die Lufthansa hat die bisherigen Regeln zum Jahresende 2013 gekündigt. Sie will erreichen, dass die Piloten frühestens mit 60 - bislang 55 - Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen können.

Die Gewerkschaft erklärte, Lufthansa habe alle Kompromissvorschläge nicht aufgegriffen und mauere weiter. «Wir würden gern mit der Lufthansa reden, aber die melden sich nicht», sagte ein Sprecher. Deswegen müssten sich die Kunden in der nächsten Zeit auf weitere Streiks einstellen. Der aktuelle Ausstand dauert bis Mitternacht.

Lufthansa warf der Gewerkschaft vor, der Streikaufruf richte sich gezielt gegen Familien. In dieser Wochen gehen die Herbstferien in Nordrhein-Westfalen und Thüringen zu Ende. Viele Familien seien auf dem Weg nach Hause. «Damit verabschiedet sich die Pilotengewerkschaft ganz offensichtlich von ihrem Grundsatz, nicht in erster Linie die Passagiere der Lufthansa Gruppe treffen zu wollen». VC gehe es nicht um eine konstruktive Lösung, sondern vielmehr um den größtmöglichen Schaden bei Lufthansa, erklärte die Fluglinie am Mittwoch.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) rief die Tarifparteien zu einer schnellen Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Nur dort könnten Ergebnisse erzielt werden, sagte Dobrindt in Berlin. «Deshalb sollte man zügig versuchen, diesen wieder aufzusuchen.» Streiks gehörten zur Tarifautonomie, allerdings solle die Zahl betroffener Dritter bei Auseinandersetzungen möglichst gering gehalten werden.