Streik im Weihnachts-Endspurt - Amazon: Kunden pünktlich beliefert

Der Streik gegen den Online-Versandhändler Amazon geht auch in der Schlussphase des Weihnachtsgeschäfts an mehreren Standorten in Deutschland weiter. Für viele Kunden scheint der Arbeitskampf, den Verdi bis Heiligabend fortsetzen will, aber nach wie vor kaum zu spüren zu sein.

Gegen die geplante Sonntagsarbeit am vierten Advent in den Versandzentren Bad Hersfeld (Hessen) und Leipzig (Sachsen) geht Verdi vor Verwaltungsgerichten in Kassel und Leipzig vor. Die Klagen heben nach Rechtsauffassung der Gewerkschaft die erteilten Ausnahmegenehmigungen für Amazon auf. Von den Gerichten gab es dazu am Samstag bisher aber keine Stellungnahme. Eine Amazon-Sprecherin am deutschen Hauptsitz in München äußerte sich nicht zu dieser Frage.

Sie verneinte erneut, dass es bei den Auslieferungen zu Verspätungen komme: «Unsere Mitarbeiter sind stolz, daran mitzuwirken, dass die Kunden ihre Weihnachtspäckchen pünktlich bekommen.» Amazon setzt im Weihnachtsgeschäft in Deutschland eine Stammbelegschaft von 10 000 Beschäftigten sowie weitere 10 000 Saisonkräfte ein.

Notfalls kann der Versandhändler auch ausländische Logistikzentren etwa in Polen nutzen. Am Streik beteiligen sich nach Amazon-Angaben etwa 2000 Mitarbeiter, Verdi spricht von 2400. Allein in Bad Hersfeld sollen es in den vergangenen Tagen etwa 600 gewesen sein.

Dort sagte eine Verdi-Vertreterin, Amazon-Mitarbeiter berichteten von einem Rückstau an Bestellungen. Die Gewerkschaft erhalte auch E-Mails von Kunden, denen zufolge die Lieferzeiten länger sind als üblich. Die Online-Ausgabe der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» veröffentlichte dagegen schon am Freitag eine nicht repräsentative Leserumfrage. Sie deutet darauf hin, dass Amazon tatsächlich in den meisten Fällen pünktlich liefern kann.

Der Ausstand in Bad Hersfeld, Leipzig, Graben (Bayern) und Rheinberg (Nordrhein-Westfalen) soll bis Heiligabend (15.00 Uhr) dauern. In dem seit 2013 laufenden Konflikt will Verdi erzwingen, dass Amazon nach dem Einzelhandels- statt nach dem niedrigeren Logistiktarif zahlt.