Streik stoppt zwei Drittel der Züge

Der Lokführerstreik hat den Zugverkehr am Donnerstag bundesweit hart getroffen. Der Deutschen Bahn gelang es aber immerhin, rund ein Drittel der Züge fahren zu lassen. Für den Notverkehr galten Ersatzfahrpläne.

Streik stoppt zwei Drittel der Züge
Soeren Stache Streik stoppt zwei Drittel der Züge

Viele Fahrgäste stiegen aber auf andere Verkehrsmittel um. Deshalb war die Situation auf den großen Bahnhöfen entspannt.

Der viertägige Rekordstreik hatte am Mittwoch im Güterverkehr begonnen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) dehnte ihn am Donnerstag um 2 Uhr morgens auf den Personenverkehr aus. Fahrgäste müssten sich zwar auf Ausfälle und Verspätungen einstellen, hieß es am Nachmittag bei der Bahn. Sie könnten aber trotzdem relativ verlässlich planen.

Größere Einschränkungen als im Fernverkehr, wo noch etwa jeder dritte Zug fuhr, gab es teils bei den Regional- und S-Bahnen. In einigen Regionen fielen laut Bahn drei von vier Zügen aus. In anderen konnten nach Angaben des Unternehmens 40 Prozent regulär fahren.

Die GDL will im Tarifkonflikt mit der Bahn den Druck erhöhen. Sie fordert für die Beschäftigten mehr Geld sowie eine kürzere Arbeitszeit und will neben den Lokführern vor allem auch das übrige Zugpersonal in Verhandlungen vertreten, für das bislang die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zuständig ist. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge einzelner Berufsgruppen verhindern.

Am kommenden Wochenende wird es auch für Fußballfans schwieriger, zu den Spielen ihrer Teams zu kommen. Das Bündnis «Pro Fans» erwartet aber keine leeren Gästeränge in den Bundesliga-Stadien. «Fußballfans sind sehr erfinderisch», sagte Sprecher Sig Zelt. Einige versuchten nun, Mitfahrgelegenheiten zu bilden oder ein größeres Auto zu mieten.

Die Bahn entschied sich dafür, juristisch gegen den Streik vorzugehen. Sie beantragte beim Arbeitsgericht Frankfurt/Main eine einstweilige Verfügung. Das Gericht will in dem Eilverfahren noch heute über die Rechtmäßigkeit des Ausstands entscheiden. Mit Blick auf frühere Entscheidungen stufte die Bahn die Erfolgaussichten selbst jedoch als eher gering ein.

Die Versorgung mit Benzin und Diesel soll auch während des Lokführerstreiks sichergestellt werden. «Die Belieferung der Tankstellen mit Kraftstoffen stellt auf jeden Fall eine logistische Herausforderung für unsere Unternehmen dar», sagte ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Berlin.

Bislang sei es jedoch noch nicht zu Engpässen gekommen. Benzin und Diesel werden von den wenigen Raffinerien per Bahn zu Tanklagern gebracht. Von dort aus geht es per Lastwagen auf der Straße weiter zu den Tankstellen.

Die Bahn hatte am Mittwoch noch versucht, den Streik mit dem Angebot einer Schlichtung abzuwenden. Dieses Angebot habe die GDL «offenbar ohne ernsthafte Prüfung abgelehnt», kritisierte die Bahn am Donnerstag. Sie zweifelt an der Verhältnismäßigkeit des GDL-Streiks.

In ihrem Antrag an das Frankfurter Gericht verwies sie auf die zentralen Feierlichkeiten in Berlin zum 25. Jahrestag des Mauerfalls an diesem Sonntag. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte die Bahn aufgefordert, gegen den Streik vor Gericht zu ziehen.

Aus Sicht ihrer Konkurrenten trägt die Deutsche Bahn AG eine Mitschuld an der verfahrenen Lage. Bei Wettbewerbern seien parallele Tarifverträge eher die Regel denn die Ausnahme, sagte Engelbert Recker, Hauptgeschäftsführer des Nahverkehrs-Branchenverbands Mofair, der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Donnerstag). «Das ist nur eine Frage der betrieblichen Organisation.»

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürchtet einen Imageschaden für andere Gewerkschaften. «Ich bedauere es sehr, dass Herr Weselsky das Angebot auf eine Schlichtung nicht angenommen hat», sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann im Deutschlandfunk über den GDL-Chef.