Streikkasse der IG Metall prall gefüllt

Die IG Metall geht mit einer prall gefüllten Streikkasse in die Tarifrunde im kommenden Frühjahr.

Streikkasse der IG Metall prall gefüllt
Daniel Karmann Streikkasse der IG Metall prall gefüllt

In diesem Jahr werden die Beitragseinnahmen auf 532 Millionen Euro erneut steigen, wie Hauptkassierer Jürgen Kerner beim Gewerkschaftstag der Organisation in Frankfurt erklärte. Wie in den Vorjahren sollen 15 Prozent davon in die Rücklagen fließen.

Große Ausgabenposten waren im vergangenen Jahr der Rechtsschutz (98 Millionen Euro) sowie die Bildung der Funktionäre und Mitglieder (108 Millionen Euro). An Streikgeld musste die IG Metall hingegen nur 1,9 Millionen Euro ausschütten.

Zum genauen Stand der Streikkasse machte Kerner keine Angaben. Auch zu dem auf mehrere Milliarden Euro geschätzten Vermögen der größten Einzelgewerkschaft der Welt sagte er nichts. «Warum sollen wir uns ausrechenbar machen?», fragte er. Das Vorstandsmitglied versicherte den Delegierten aber, dass das Vermögen der Gewerkschaft ohne unangemessene Risiken weiter wachse: «Wir zocken nicht.»

Die Gewerkschaftsspitze stimmte die Delegierten auf harte Auseinandersetzungen zur Eindämmung von Werkverträgen ein. Der Konflikt werde wesentlich härter als derjenige um die Leiharbeit, sagte der scheidende IG-Metall-Chef Detlef Wetzel.

«Die zunehmende Zerstückelung von Wertschöpfungsketten und die Vergabe von Werkverträgen ist die Handschrift eines neuen ungezügelten Kapitalismus. (...) Wir akzeptieren nicht, dass Kollegen für die gleiche Tätigkeit weniger Geld bekommen. Wir akzeptieren nicht, dass sie nicht von Tarifverträgen profitieren und dass es keine Mitbestimmung für sie gibt.»

Dem Zweiten Vorsitzenden Jörg Hofmann zufolge hat die IG Metall bereits mit 30 Logistik-Dienstleistern etwa in großen Autowerken Tarifverträge abgeschlossen und dort im laufenden Jahr rund 4000 neue Mitglieder gewonnen. Die Unternehmen riefen die Gewerkschaft hingegen zur Zurückhaltung auf. Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth appellierte im «Handelsblatt» (Montag) an Hofmann, künftig wieder auf mehr Realismus und maßvolle Forderungen zu setzen.