Stürme ziehen über Europa - Chaos im Bahnverkehr

Heftige Stürme bei frühlingshaften Temperaturen: Das Wetter in Deutschland schien am Samstag verrückt zu spielen. Die Folge: Sperrungen von Bahnstrecken, Überschwemmungen und Autounfälle.

Stürme ziehen über Europa - Chaos im Bahnverkehr
Philipp Schulze Stürme ziehen über Europa - Chaos im Bahnverkehr

Ein heftiger Sturm hat etliche Bahnstrecken in Deutschland lahmgelegt. Besonders betroffen seien der Norden und Westen, teilte die Bahn mit. Zugleich gab es mit über 20 Grad einen Wärmerekord im Januar in Deutschland. Am Sonntag gehen die Temperaturen aber in den Keller.

«Hamburg ist derzeit vom Fernverkehr weitgehend abgeschnitten», sagte eine Bahnsprecherin. Seit dem Nachmittag seien die Strecken von Hamburg nach Hannover und Bremen für den Fernverkehr gesperrt. Etwas später ging auch auf den Verbindungen zwischen Hamburg und Dortmund sowie von und nach Berlin nichts mehr.

«Wir können keine Prognose abgeben, wann wir wieder fahren können», sagte die Sprecherin am frühen Abend. «Wir sind mit Mann und Maus unterwegs, um die Strecken zu inspizieren.»

Im Hamburger Hauptbahnhof bildeten sich lange Schlangen von gestrandeten Reisenden vor den Schaltern. Teilweise stiegen sie auf Fernbusse oder auf Sammeltaxis um. Andere wollten in der Hansestadt übernachten. Die Bahn wollte auch den Einsatz von Hotelzügen prüfen.

Böen hatten Bäume umstürzen lassen, die dann auf die Gleise gefallen seien. Auch im Ruhrgebiet waren wichtige Verbindungen unterbrochen, etwa die Strecke Dortmund-Osnabrück. Im Nahverkehr mussten ebenfalls viele Strecken gesperrt werden. Bei der Berliner S-Bahn war der Verkehr im gesamten Stadtgebiet am Nachmittag nahezu lahmgelegt.

Sturm und Wärmerekord: Mehr als 20 Grad wurden im Berchtesgadener Land gemessen. Noch nie war es in Deutschland im Januar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor mehr als 100 Jahren wärmer: «Wir haben einen Allzeitrekord», sagte Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Bereits am Nachmittag knackten die Temperaturen den bestehenden Rekord von 19,5 Grad. Tauwetter ließ vor allem in Niederbayern und der Oberpfalz die Pegel der Flüsse steigen, Überschwemmungen waren die Folge.

Der heftige Sturm behinderte auch den Verkehr auf den Straßen: Autos kamen von Fahrbahnen ab, ein Lastwagen kippte auf einer Autobahn 38 in Sachsen-Anhalt um.

In Kleinmachnow (Brandenburg) wurde ein Spaziergänger von einem herabstürzendem Baum getroffen. Der 56-Jährige wurde am Samstagabend schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, sagte ein Polizeisprecher in Potsdam.

An diesem Sonntag soll der Wind etwas abschwächen. Vor allem im Norden und Nordosten bleibt es zwar stürmisch, aber nur in exponierten Lagen an Küsten und im Bergland sollen noch orkanartige Böen möglich sein.

Ein Bad in der stürmischen See kostete zwei Männer im englischen Seebad Brighton das Leben. Wie die britische Küstenwache am Samstag mitteilte, bestehe keine Hoffnung, dass sie lebend gefunden werden. Eine Gruppe von vier Männern war nach Medienberichten am späten Freitagabend am Brighton Pier ins Wasser gegangen. Zwei schafften es an den Strand zurück. Die Küstenwache stellte die Suche ein.

Besonders schlimm hat es den Nahen Osten getroffen: Ein Sturm brachte am Samstag neue Schneefälle in Jerusalem. Im südlichen Gazastreifen erfroren nach Medienberichten zwei Babys. Seit dem Gaza-Krieg leben in der Palästinenser-Enklave am Mittelmeer viele Menschen in notdürftig reparierten Gebäuden. Im Libanon erfroren vier Gastarbeiter aus Bangladesch nach einem Schneesturm. Die Männer hätten in einer nicht ausreichend geheizten Unterkunft im nordlibanesischen Dunnija geschlafen, meldete die libanesische Nachrichtenagentur NNA. Das eisige Wetter setzt vor allem den mehr als einer Million syrischen Flüchtlingen im Land zu.