Studie: Menschlicher Fuß flexibler als gedacht

Studie: Menschlicher Fuß flexibler als gedacht
Friso Gentsch Studie: Menschlicher Fuß flexibler als gedacht

Seit Jahrzehnten waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass der Fuß des Menschen prinzipiell anders sei als der seiner nächsten Verwandten – mit einem steifen Bogen in Längs- und Querrichtung, der sein Gewicht beim aufrechten Gang abfedert. Das sei falsch, berichteten jetzt Forscher der Universität Liverpool in den «Proceedings B» der britischen Royal Society.

Karl Bates und sein Team wollten die These von der Sonderstellung der Menschen aufgrund seiner Fußmechanik auf den Prüfstand stellen. Dazu ließen sie 45 Erwachsene aller Altersstufen auf einem Laufband gehen, das die Druckverteilung aufnahm. Aus den so gewonnenen
25 000 Druckmustern - kombiniert mit Kameraaufnahmen - gewannen sie ein Bild von der Dynamik des Gehens und den Kräften im Fußbereich.

Entgegen der alten Theorie fanden sie, dass etwa zwei Drittel der gesunden Menschen beim Gehen den Boden mit der Sohle des Mittelfußes berühren. Demnach ist der menschliche Fuß viel flexibler als gedacht. Die Druckverteilung des Mittelfußes war laut Studie sehr variabel - und zwar so sehr, dass sie sich mit den Werten überlappt, die man etwa bei den großen Menschenaffen finden kann.

«Unsere Vorfahren haben möglicherweise zunächst ihre flexiblen Füße entwickelt, als sie vor allem auf Bäumen lebten», erläutert Bates. Beim Übergang zu einem Leben auf dem Boden entwickelten sich die Füße dennoch nicht so radikal zu steifen, schnellen Laufwerkzeugen. «Wir vermuten, dass der Mensch sich seine Flexibilität in den Füßen bewahrt hat, um mit sehr unterschiedlichem, hartem und weichem Grund bei langen Strecken klar zu kommen.»