Studie: Spätere Einschulung kann negative Folgen haben

Das Zurückstellen von der Einschulung kann sich einer Studie zufolge negativ auf spätere Schulleistungen auswirken. «Kinder brauchen so schnell wie möglich eine Förderung», sagte die Entwicklungspsychologin Julia Jäkel von der Ruhr-Universität Bochum.

Studie: Spätere Einschulung kann negative Folgen haben
Matthias Balk Studie: Spätere Einschulung kann negative Folgen haben

Sie hatte mit Kollegen der University of Warwick Daten von rund 1000 Kindern einer bayerischen Untersuchung ausgewertet. Kinder, die bei den verpflichtenden Einschulungsuntersuchungen schlecht abschneiden, dürften häufig erst ein Jahr später mit der Schule anfangen, heißt es in der Studie, die im «Journal of Developmental Medicine and Child Neurology» veröffentlicht ist. Die Studie lege jedoch nahe, dass daraus keine besseren Schulleistungen resultieren.

Das Forscherteam verglich die Leistungen von verspätet und altersgemäß eingeschulten Kindern im Alter von acht Jahren. Dabei schnitten die altersgemäß eingeschulten Kinder im Durchschnitt besser ab. Sie normal eingeschulten Kinder hatten zwar ein Schuljahr Vorsprung. Die später eingeschulten Kinder würden dieses Defizit aber durchschnittlich auch nicht wettmachen, wenn ein Jahr später gemessen würde, sagte Jäkel.

«Wir brauchen nun mehr Studien, die die Langzeiteffekte der verspäteten Einschulung untersuchen. Unsere Ergebnisse sollten Eltern und Lehrern aber zu denken geben», sagte Jäkel. Häufig seien es Eltern noch relativ junger Kinder, die lieber später einschulen lassen wollten. Das gelte besonders für frühgeborene Kinder, die noch nicht so robust erscheinen würden.

Der Düsseldorfer Bildungsforscher Prof. Heiner Barz hält die Studie für zu eng angelegt. Tests mit objektiven Daten seien für Achtjährige auch zu früh. Es hätten auch soziale und emotionale Komponenten erfragt werden müssen. «Fühlen sich die Kinder in der Schule wohl? Üben die Eltern Druck aus? Vielleicht ist es für die Kinder auch noch wichtig, ein Jahr spielen zu können», sagte Barz der Deutschen Presse-Agentur.