Sturmtief «Zeljko» zieht über den Norden

Auf schweren Sturm mit Orkanböen müssen sich die Menschen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein einstellen.

Im Anschluss verlagert sich der Schwerpunkt des Sturmes dann in den Nordosten Deutschlands, wie der Meteorologe Jens Hoffmann vom Deutsche Wetterdienst Offenbach mitteilte. Er warnte vor teils unwetterartigen Auswirkungen des Sturms. Das aus dem Westen heranziehende Tief «Zeljko» war zuvor über die Niederlande und Nordrhein-Westfalen hinweggefegt. In den Niederlanden kam ein Mensch ums Leben.

Am Abend gab eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes für Nordrhein-Westfalen Entwarnung: «Das Maximum ist durch», sagte sie. In Schleswig-Holstein wappneten sich unterdessen Helfer für das erwartete Unwetter an der Küste. «Wir bereiten uns darauf vor wie auf einen Herbststurm», sagte ein Leitstellensprecher. Die Sturmlage sei für den Sommer «ungewöhnlich heftig», hieß es vom DWD in Offenbach. Mehrere Großveranstaltungen wurden am Samstag vorsorglich abgesagt. «Zeljko» sollte von der Nordsee über Dänemark bis nach Schweden ziehen.

Der Sturm entwurzelte zahlreiche Bäume, beschädigte Oberleitungen der Bahn und löste so in Niedersachsen umfangreiche Streckensperrungen aus, wie die Bahn am Abend mitteilte. Schwerpunkte seien die Regionen um Hannover und Osnabrück. Gesperrt waren am Abend die Fernverkehrsstrecken zwischen Hamburg-Bremen, Hannover-Wolfsburg, Osnabrück-Bremen, Osnabrück-Münster sowie Osnabrück-Löhne. Auch in Nordrhein-Westfalen gab es Probleme und Verzögerungen, auf mehreren Strecken ging zeitweise gar nichts mehr.

In den Niederlanden wurde bei Arnheim nahe der deutschen Grenze ein Autofahrer von einem umstürzenden Baum getötet, wie die Feuerwehr mitteilte. Autobahnen waren gesperrt, der Zugverkehr teilweise unterbrochen. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol fielen Dutzende Flüge aus. Nach Angaben des meteorologischen Dienstes war es einer der schwersten Sommerstürme der Niederlande überhaupt. An der Küste sei Windstärke zehn gemessen worden.

Unwetter hatten bereits in der Nacht zum Samstag mehrere Regionen in Deutschland getroffen - so verursachten Blitzeinschläge Schäden. Am Samstag kam es auf den Straßen zu Unfällen mit Verletzten. Umstürzende Bäume und herabfallende Äste verletzten Passanten.

Zahlreiche Feste und Events im Freien wurden abgesagt: In Nordrhein-Westfalen stoppte die größte Kirmes am Rhein ihren Betrieb. In Dortmund wurde zur Enttäuschung Zehntausender junger Leute das Musikfestival «Juicy Beats» abgesagt, in Köln die Sportveranstaltung «Women's Run». In Niedersachsen fiel das Musikfestival «Wesermove» in Nordenham aus. In Baden-Württemberg gab es bereits am Freitagabend ein vorzeitiges Ende für das Musik-Open-Air «Das Fest». Auch Konzerte wurden abgeblasen, so der Auftritt von Jazzsänger Roger Cicero (45) in Gießen und ein Open-Air-Konzert des amerikanischen Popsängers Lionel Richie (66) in Mainz.

Mit dem Tief gelangt ein Schwall frischer Meeresluft subpolaren Ursprungs nach Deutschland, die am Sonntag unter Zwischenhocheinfluss gelangt, wie Hoffmann vom DWD weiter berichtete.