Sturmwarnung: Erste Rosenmontagszüge abgesagt

Ein heftiges Sturmtief macht vielen Jecken an Rosenmontag einen Strich durch die Rechnung. In Köln wird es nur eine deutlich abgespeckte Version des Karnevalzugs geben. Die Jecken wollen wegen der erwarteten Windböen bis Stärke 8 unter anderem auf die sonst üblichen 500 Pferde und auf große Figuren verzichten.

Sturmwarnung: Erste Rosenmontagszüge abgesagt
Oliver Berg Sturmwarnung: Erste Rosenmontagszüge abgesagt

In Düsseldorf wird sogar diskutiert, den Zug komplett abzusagen, oder ihn zumindest um eine Stunde zu verschieben - eine Entscheidung soll dort allerdings erst am Montagmorgen fallen. In Mainz wollten die Fastnachter noch am Sonntagabend beraten. Nach den letzten Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes wird der Sturm sogar noch etwas stärker als zunächst erwartet. In Essen und Duisburg sind die Rosenmontagszüge deshalb schon abgesagt.

Mit den beschlossenen Einschränkungen sei der Kölner Zug trotz der erwarteten Sturmböen sicher, zeigten sich die Verantwortlichen am Sonntag überzeugt. «Wir lassen uns das Feiern auch vom Wetter nicht vermiesen», sagt Zugleiter Christoph Kuckelkorn. Allerdings sollen Experten noch einmal den Zugweg kontrollieren, um «mögliche Gefahrenpunkte frühzeitig zu beseitigen». Unter anderem sollen an allen Tribünen die Planen, die die Besucher von Wind und Regen schützen, entfernt werden. Ob noch weitere Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden müssen, wollen die Verantwortlichen von Karnevalsverein, Stadt, Polizei und Feuerwehr am Montagmorgen beschließen.

In Düsseldorf will die Koordinierungsgruppe am Montag um 8.00 Uhr ein letztes Mal über die Wetterprognosen beraten und dann über eine mögliche Absage des Zugs entscheiden. Dem Sicherheitskonzept zufolge muss der Zug ab Windstärke 8 abgesagt werden. Der Deutsche Wetterdienst korrigierte die Sturmprognose für Nordrhein-Westfalen an Rosenmontag noch einmal leicht nach oben. «Wir erwarten für den Vormittag Windstärke 8 bis 9, am Nachmittag teils auch Stärke 10», sagte die Meteorologin vom Dienst beim DWD in Essen am Sonntag. Hoffnung, dass die wichtige Grenze von Windstärke 8 unterschritten wird, hat sie nicht. «7 ist definitiv nicht drin.»

Auch die Veranstalter der unzähligen kleineren Rosenmontagszüge im Rheinland wollen meist erst Montagmorgen über eine Absage entscheiden. Die Organisatoren in Duisburg, Hagen, im Essener Stadtteil Kupferdreh und in Wenden im Sauerland zogen hingegen schon Konsequenzen: Sie haben den Rosenmontagszug abgesagt. «Die Wetterlage ist uns zu heikel. Das ist uns viel zu gefährlich», sagte der Duisburger Karnevalspräsident Michael Jansen. Einige Züge sollen im Frühjahr nachgeholt werden.

Selbst wenn Rosenmontagszüge wie geplant stattfinden: Auf ungemütliches Wetter müssen sich die Jecken allemal einstellen. Denn Tief «Ruzica» (gesprochen: Ruschiza) soll neben Sturm auch starken, anhaltenden Regen und womöglich sogar Gewitter in die Karnevalshochburgen bringen.

Am Sonntag waren die Bedingungen für den Straßenkarneval noch besser. In Köln zogen die «Schull- un Veedelszöch» durch die Innenstadt. Der Zug umfasste 8000 Teilnehmer aus 48 Schulen und 57 Vereinen. Die Schul- und Viertelszüge - wie sie auf Hochdeutsch heißen - gelten als die ursprünglichsten Karnevalsumzüge in Köln. In Düsseldorf waren die Jecken in der Innenstadt unterwegs - dort zogen Gruppen mit Lautsprecherwagen die Königsallee hoch und runter und feierten.

Bei größtem Umzug im Norden im niedersächsischen Braunschweig setzten sich die Karnevalisten satirisch mit der Terrordrohung auseinander, die im vergangenen Jahr zur Absage des Zugs geführt hatte. Ein meterhohes Styropor-Gespenst mit der Aufschrift «Terror» rollte durch die Innenstadt. «Zuhause zu bleiben, wäre ein falsches Signal», sagte eine Zuschauerin. In Mannheim und Ludwigshafen säumten rund 200 000 Schaulustigen die Strecke des Karnevalszugs.

Unterdessen setzte die Polizei am Samstag nach mehreren sexuellen Übergriffen im Karneval ihre Ermittlungen fort. Nach dem Übergriff auf eine belgische Fernsehjournalistin im Kölner Karneval meldete sich ein 17 Jahre alter Jugendlicher bei der Polizei. Die Frau war während einer Live-Übertragung an Weiberfastnacht vor laufender Kamera sexuell belästigt worden.

Auch für den Rosenmontag hat sich die Polizei mit einem Großaufgebot aufgestellt. Die Warnung der Einsatzkräfte, wegen der weiter bestehenden Terrorgefahr auf Kostüme mit Waffenimitaten zu verzichten, hat sich auf die Nachfrage in den Karnevalsgeschäften aber nicht ausgewirkt. Produkte wie eine Plastik-Kalaschnikow oder eine Cowboy-Pistole seien ähnlich gut verkauft worden wie in den vergangenen Jahren, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei mehreren Händlern. «Die Leute kaufen ganz normal, auch echt aussehende Schusswaffen», sagte Antonia Guerrero von Karnevalswierts in Köln. Man habe sogar schon nachbestellen müssen.