Müller tritt nach «Fauxpax» als VfB-Aufsichtsrat zurück

Beim VfB Stuttgart geht es drunter und drüber. Sportlich droht der Absturz in die Zweitklassigkeit. Und das lächerliche Versteckspiel um den Trainer für die neue Saison hat nun ein erstes prominentes Opfer gekostet.

Der ehemalige Nationalspieler Hansi Müller hat am Montag mit sofortiger Wirkung sein Mandat als Aufsichtsratsmitglied des schwäbischen Fußball-Bundesligisten niedergelegt. Die VfB-Ikone zog damit die Konsequenz aus ihrem Vorpreschen bei der heiklen Trainer-Personalie und dem damit entfachten Wirbel.

«Der Alexander Zorniger wird in der neuen Saison den VfB trainieren», hatte Müller vor einer Woche in «Sport und Talk aus dem Hangar-7» des österreichischen Senders Servus TV ausgeplaudert. Damit bestätigte er aber nur, was trotz aller Dementis der VfB-Verantwortlichen seit langem als Fakt gilt. Der im Februar bei RB Leipzig entlassene Zorniger, der 2009 als Assistent des damaligen Coaches Markus Babbel schon ein paar Monate in Stuttgart gearbeitet hatte, soll die «Roten» künftig auf Vordermann bringen - egal in welcher Liga.

Müller drückt seiner «Herzensangelegenheit» VfB trotz seines - nicht ganz freiwilligen - Rücktritts im Abstiegskampf die Daumen. Er sicherte dem Club «auch künftig in jeder mir möglichen oder gewünschten Form» seine volle Unterstützung zu.

Zunächst leistete der 57-Jährige aber Abbitte. Er habe bei seinem Auftritt am 27. April in der TV-Sendung «ohne jedwede Absicht einen Fauxpas begangen», teilte Müller in einer vom VfB verbreiteten Presseerklärung mit. Das dadurch ausgelöste Medien-Echo habe besonders den VfB unnötig belastet. «Ich bedauere diesen Fehler außerordentlich und habe mich dafür auch bei den Verantwortlichen des Clubs in aller Form entschuldigt», sagte er. «Für die damit verbundene, unberechtigte Kritik am VfB Stuttgart trage ich die Verantwortung und ziehe deshalb mit meinem Rücktritt die Konsequenzen dafür.»

Sportvorstand Robin Dutt wiederholt in den zurückliegenden Wochen gebetsmühlenhaft, die Top-Personalie werde erst nach dem Kampf um den Klassenverbleib entschieden. Drei Spieltage vor Saisonschluss trennen den Tabellenletzten schon vier Punkte von einem Nichtabstiegsplatz. Dutt und Trainer Huub Stevens verbreiteten aber auch nach der bitteren 2:3-Niederlage bei Schalke 04 Zuversicht.

«Welchen Grund sollte es geben, nicht mehr an den Klassenverbleib zu glauben? Es sind schon ganz andere Rückstände als unserer aufgeholt worden», betonte Dutt nach dem nächsten Rückschlag. «Das war's noch lange nicht.» Es spiele keine Rolle mehr, was in den bisherigen 31 Partien passiert sei. «Wir haben noch drei Spiele, um alles zu korrigieren. Wir gewinnen gegen Mainz und Hamburg, dann haben wir ein Endspiel in Paderborn», rechnete der Manager vor, wie der VfB den Absturz vermeiden werde.

Müller zählte vor seinem Wechsel zu Inter Mailand als Spielmacher zu den herausragenden Akteuren beim VfB, für den er zwischen 1975 und 1982 in 186 Erstligaeinsätzen 65 Tore erzielte. Nach seiner Karriere übte der 2011 zum Ehrenmitglied ernannte Müller dort mehrere Funktionen aus.

VfB-Präsident Bernd Wahler erklärte: «Diese Entscheidung von Hansi Müller verdient höchsten Respekt, ist richtig und nachvollziehbar.» Der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Schmidt dankte Müller für «die jahrelange engagierte und konstruktive Zusammenarbeit».