Suche nach Schildkröte Lotti geht in die Schlussphase

Der Rummel um Lotti hält die Gemeinde Irsee auf Trab. Bei einer weiteren Suchaktion soll die Alligator-Schildkröte auftauchen - falls sie existiert. Danach darf wieder gebadet werden. Auf eigene Gefahr.

Suche nach Schildkröte Lotti geht in die Schlussphase
Andreas Gebert Suche nach Schildkröte Lotti geht in die Schlussphase

Der Lotti-Hype hat die Gemeinde Irsee im Allgäu seit vier Wochen im Griff - nach einer weiteren Suchaktion in rund zwei Wochen soll Ruhe einkehren. Markus Baur, Leiter der Reptilien-Auffangstation in München, hält die Maßnahmen der Gemeinde zur Suche der Alligator-Schildkröte nicht für übertrieben. «Egal, ob hier gesucht wird oder nicht: Kritik gibt es immer.» Es wäre fahrlässig gewesen, das Thema herunterzuspielen. Es gebe nun einmal die schwere Verletzung des Kindes, sagt Baur.

Mit einem Rechen will die Gemeinde noch einmal den schlammigen Grund des abgelassenen Oggenrieder Weihers durchkämmen und auch mit Stangen nach der Alligator-Schildkröte suchen. «Wie bei Lawinenopfern», sagte Bürgermeister Andreas Lieb.

Falls das Tier dabei nicht gefunden wird, soll der See Ende Oktober wieder geflutet und mit Lebendfallen ausgestattet werden. In der kommenden Badesaison sollen dann Schilder vor der vermeintlichen Schildkröte warnen und darauf hinweisen, dass das Schwimmen nur auf eigene Gefahr möglich ist. Das hat der Gemeinderat vor einigen Tagen beschlossen, wie die «Augsburger Allgemeine» berichtete.

Reptilien-Experte Baur beruhigte besorgte Bewohner bei der Versammlung. Der See könne durchaus wieder zum Baden freigegeben werden. Das Tier, falls es denn existiert, greife Schwimmer nicht von selber an. Niemand müsse Angst haben, von der Schildkröte verfolgt zu werden. Sie beißt nur zu, wenn ihr zufällig jemand direkt vor die Nase tritt, wie Baur erläutert. «Ich hab ihnen gesagt: Ich komme nächsten Sommer und gehe nackert baden.»

Baur hat Verständnis dafür, dass die Gemeinde die Suche und somit den Rummel zum Abschluss bringen will. Kartenleger hätten sich gemeldet, ein Tier-Mediator habe erklärt, die Schildkröte habe nach dem Biss ein schlechtes Gewissen und verstecke sich deswegen, und eine andere Dame schreibe der Gemeinde immer wieder Briefe, dass es sich bei der Schildkröte um ein Werkzeug Gottes handele, fasst Baur zusammen. «Die Menschen wollen zur Normalität zurück.»

Zudem sei es ja nur eine Mutmaßung, dass das Reptil in dem Weiher lebe. Gesehen habe es niemand. Das Kind sei aber verletzt - und an der Unfallstelle der Schlamm abgetragen und gesiebt worden. Ohne Ergebnis. «Da war kein Glas oder Blech drin.» Bauer verteidigt die Suchmaßnahmen: «Die waren im Großen und Ganzen nicht übertrieben.» Vielleicht hause das Tier schon seit zehn Jahren in dem See, vielleicht gar nicht. «Man muss also nicht die GSG 9 holen.» 

Lotti hatte im In- und Ausland für Aufregung gesorgt. Zeitungen und Radiosender aus aller Welt berichteten. Ein achtjähriger Junge war am Oggenrieder Weiher schwer am Fuß verletzt worden. Zweimal wurde seine Achillessehne durchtrennt. Der Arzt ging von einem Tierbiss aus. Experten sagten, dass es sich um eine Alligator-Schildkröte handeln könnte. Seitdem hatten sich Behörden und selbst ernannte Kopfgeldjäger, die scharf waren auf die Belohnung von 1000 Euro, auf die Lauer gelegt. «Alles was Beine hat ist in dem Schlamm herumgelaufen», sagt Baur, «selbst der Opa mit dem Rollator».