Suche nach Überlebenden nach Flüchtlingsdrama

Nach einem neuen Flüchtlingsdrama im Mittelmeer haben Rettungskräfte die Suche nach etwa 200 Vermissten fortgesetzt. Allerdings schwand die Hoffnung, weitere Überlebende am Unglücksort vor der Küste Libyens zu bergen.

Suche nach Überlebenden nach Flüchtlingsdrama
Marta Soszynska/MSF Suche nach Überlebenden nach Flüchtlingsdrama

Wie die italienische Küstenwache mitteilte, konnten von den etwa 600 Menschen an Bord 373 gerettet werden, die Helfer bargen zudem 25 Leichen. Die Menschen an Bord stammten Medienberichten zufolge vor allem aus Syrien, Eritrea, dem Sudan, Somalia und Bangladesch.

Eine weiteres Flüchtlingsboot kenterte heute etwa 30 Seemeilen vor der libyschen Küste, wie die Küstenwache mitteilte. Alle 381 Menschen an Bord konnten rechtzeitig gerettet werden. Sie sollten wie auch die Überlebenden des anderen Schiffbruchs nach Italien gebracht und dort versorgt werden.

«Es ist unwahrscheinlich, dass weitere Überlebende gefunden werden», sagte Martin Xuereb von der privaten maltesischen Flüchtlingshilfe MOAS, die ebenfalls an dem Einsatz beteiligt war. Nach Angaben von Geretteten waren etwa 100 Migranten im Frachtraum des Schiffes, als es kenterte. «Wir haben gehört, dass das Boot sehr schnell, innerhalb von Minuten gesunken ist», sagte Melissa Fleming, Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, dem TV-Sender Channel 4.

Dennoch wurde die Suche fortgesetzt, auch die italienische Marine beteiligte sich mit einem Hubschrauber. Das Flüchtlingsboot war am Mittwoch etwa 30 Kilometer vor der libyschen Stadt Zuwara bei der tunesischen Grenze gekentert.

Nach dem erneuten Drama wuchs auch die Kritik an den bisherigen Anstrengungen der EU-Staaten zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer und ihrer Aufnahme. «Es muss bessere Wege geben, damit Flüchtlinge nicht ihr Leben riskieren müssen, um in die Sicherheit Europas zu gelangen», forderte Fleming. Auch Ärzte ohne Grenzen (MSF) kritisierte das «Fehlen adäquater Such- und Rettungsoperationen».

Zwar waren nach dem Unglück im April, als Hunderte Flüchtlinge ertrunken waren, die Mittel der EU-Grenzschutzmission «Triton» aufgestockt worden. Doch viele Hilfsorganisationen kritisieren, dass immer noch zu wenig für die Bootsflüchtlinge getan werde. Juan Matías, der mit MSF am Unglücksort im Einsatz war, sagte: «Die Tatsache, das wir erst diesem und kurz darauf einem anderen Boot helfen sollten, zeigt das schwerwiegende Fehlen von Ressourcen.»

Vertreter der Brüsseler EU-Kommission brachten ihre «große Trauer» über das Unglück vor der libyschen Küste zum Ausdruck. «Schon ein einziges verlorenes Leben ist eines zu viel», unterstrichen die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans und EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos in einer gemeinsamen Erklärung in Brüssel.

Die Politiker erinnerten daran, dass die EU ihre Rettungsmissionen im Mittelmeer bereits aufgestockt und den Kampf gegen Schlepper verstärkt habe. «Es ist einfach, vor dem Fernseher zu weinen, wenn wir Zeuge dieser Tragödien werden. Es ist schwieriger, sich der Verantwortung zu stellen.» Die EU müsse gemeinsam und konkret handeln.