Suche nach Überlebenden nach Flüchtlingsdrama fortgesetzt

Auch zwei Tage nach der jüngsten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer haben die Retter die Hoffnung auf weitere Überlebende nicht aufgegeben. Die Suchaktion am Unglücksort vor der libyschen Küste wurde fortgesetzt, wie ein Sprecher der italienischen Küstenwache sagte.

Gleichzeitig mussten die internationalen Einsatzkräfte im Mittelmeer zu weiteren Rettungseinsätzen ausrücken. Erneut wurden Hunderte Menschen von überfüllten Booten vor der Küste Libyens in Sicherheit gebracht. Nach dem Schiffbruch vom Mittwoch hat Italiens Polizei zudem fünf mutmaßliche Schleuser festgenommen.

Zuletzt wurden Schätzungen zufolge immer noch etwa 200 Menschen im Mittelmeer vermisst. Trotz schwindender Hoffnungen wurde die Suche nach ihnen fortgesetzt. Wie lange noch nach Überlebenden Ausschau gehalten werden sollte, stand zunächst nicht fest. Auch die gesamte Nacht zum Freitag waren die Retter im Einsatz, jedoch ohne Erfolg. 373 Menschen konnten nach dem Kentern des Flüchtlingsbootes gerettet und nach Sizilien gebracht werden. Auch 25 Leichen hatten die Helfer aus dem Meer geborgen.

Ob das Schicksal der Vermissten jemals geklärt wird, ist fraglich. Nach einem der schlimmsten Flüchtlingsdramen im Mittelmeer mit möglicherweise mehr als 700 Toten im April hatte die italienische Marine das Wrack geortet und mit dem Bergen der Leichen begonnen. Bis zu diesem Freitag konnten 58 Körper von außerhalb des Schiffs an Land gebracht werden, wie die Marine mitteilte. Häufig werden die Wracks von verunglückten Flüchtlingsbooten jedoch gar nicht geborgen.

Am Freitag machten sich weiter Flüchtlinge auf den Weg über das Mittelmeer. Die Küstenwache rettete nach eigenen Angaben insgesamt 241 Menschen von zwei Schlauchbooten vor der Küste Libyens. Auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) nahm nach eigenen Angaben 128 Bootsflüchtlinge, überwiegend aus Nigeria, an Bord. Bereits am Donnerstag waren etwa 1200 Menschen in mehreren Aktionen in Sicherheit gebracht worden. Am Abend hatten die maltesische Flüchtlingshilfe MOAS und MSF nach eigenen Angaben in einer der bislang schwierigsten Rettungsaktion 600 Menschen aufgenommen.

Unterdessen nahm die italienische Polizei fünf mutmaßliche Schleuser fest, die das am Mittwoch gekenterte Boot gesteuert haben sollen. Die drei Libyer und zwei Algerier waren nach der Ankunft in Palermo von Überlebenden identifiziert worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Ihnen wird neben illegaler Einwanderung auch Mord vorgeworfen.