Südsudan: Massenflucht vor Kämpfen zum Unabhängigkeitstag

Rund um den fünften Jahrestag der Unabhängigkeit ist der «schlafende Bürgerkrieg» im Südsudan wieder offen ausgebrochen. Zwischen Freitag und Sonntag kamen nach Regierungsangaben in der Hauptstadt Juba rund 270 Menschen ums Leben.

Südsudan: Massenflucht vor Kämpfen zum Unabhängigkeitstag
Phillip Dhil Südsudan: Massenflucht vor Kämpfen zum Unabhängigkeitstag

Rund 10 000 Menschen flohen nach Angaben humanitärer Helfer vor den Kämpfen der Regierungstruppen (SPLA) des Präsidenten Salva Kiir mit den früheren Rebellen (SPLA-IO) des Vizepräsidenten Riek Machar.

Das Regierungsviertel in Juba war am Wochenende heftig umkämpft. Am Sonntag konzentrierten sich die auch mit Panzern und Kampfhubschraubern ausgetragenen Gefechte vor allem auf den Süden der Stadt, wo Vizepräsident Machar seine Residenz hat. Die für Samstag geplanten Feiern zum fünften Jahrestag der Unabhängigkeit des jüngsten Staates der Welt wurden abgesagt.

«Es wird viel geschossen in der Stadt, wir hören leichte Waffen und Artillerie», berichtete der deutsche Fotograf Gregor Fischer am Sonntag per Telefon der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe eine Art Ausgangssperre, man komme nirgendwo durch.

Ein Schwerpunkt der Kämpfe war am Sonntag das Stadtviertel Jebel, eine Hochburg Machars. Ein Sprecher Machars erklärte, seine Leute hätten das Viertel unter Kontrolle, drei Panzer Kiirs erbeutet und einen Hubschrauberangriff abgewehrt. Am Abend flauten die Kämpfe ab.

Auch am Flughafen Jubas gab es heftige Kämpfe, der Flugbetrieb wurde eingestellt. Die US-Botschaft sprach von Gefechten «in ganz Juba».

Artilleriegranaten schlugen auch in einem UN-Stützpunkt ein, wohin zahlreiche Zivilisten geflohen seien. Es habe dort Oper gegeben, berichtete der Rundfunksender Radio Tamazuj. Augenzeugen zufolge flohen Tausende Menschen aus der Hauptstadt in die 20 Kilometer westlich gelegene Stadt Gurei.

Nach Angaben des Büros des Staatspräsidenten waren unter den Toten 60 Soldaten Kiirs und 210 Kämpfer Machars. Krankenhäusern meldeten aber auch den Tod vieler Zivilisten.

Die Gefechte in Juba hatten am Freitagabend in der Nähe des Präsidentenpalastes begonnen, während sich Kiir mit Machar traf. Beide hatten ihren Ende 2013 begonnenen blutigen Machtkampf offiziell beigelegt und im April eine Einheitsregierung gebildet. Seit Ende 2013 waren in diesem Bürgerkrieg Zehntausende Menschen ums Leben gekommen und rund 2,5 Millionen vor der Gewalt geflohen.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Kämpfe. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem «neuen Verrat» an den Menschen im Südsudan. Der überwiegend christliche Südsudan hatte sich in einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg die Unabhängigkeit vom muslimischen Norden erkämpft. Sie trat am 9. Juli 2011 offiziell in Kraft.