«Swarm»-Satelliten untersuchen schwächelndes Erdmagnetfeld

Mit gleich drei «Swarm»-Satelliten nimmt Europa das lebenswichtige Magnetfeld der Erde unter die Lupe. Dieser Schutzschild vor gefährlichen Teilchen aus dem All ist schwächer geworden.

«Swarm»-Satelliten untersuchen schwächelndes Erdmagnetfeld
«Swarm»-Satelliten untersuchen schwächelndes Erdmagnetfeld

Die europäische Weltraumagentur Esa schoss am Freitag um 13.02 Uhr (MEZ) vom nordrussischen Weltraumbahnhof Plessezk aus das Trio «Swarm» (Schwarm) in den Himmel. Der Start der Rockot-Trägerrakete verlief bei nebligem Wetter reibungslos.

Gesteuert werden die Esa-Satelliten im Kontrollzentrum in Darmstadt. «"Swarm" wurde insgesamt acht Jahre vorbereitet», sagte dort Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.

Die Satelliten sollen mindestens vier Jahre lang aus einer Höhe von rund 500 Kilometern die bislang genauesten Daten über Stärke, Richtung und Schwankungen des Magnetfeldes liefern. «Ohne Magnetfeld als Schutzschild wären wir längst verstrahlt», sagte Esa-Flugleiter Frank-Jürgen Diekmann. «Das Magnetfeld leitet das Bombardement von Teilchen aus dem All um die Erde herum.» Es verändere sich aber ständig. «Das Magnetfeld ist in den vergangenen 150 Jahren kontinuierlich um rund zehn bis zwölf Prozent schwächer geworden.»

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) gratulierte zum Start. Das Magnetfeld unterliege natürlichen Schwankungen aus dem Erdinneren und durch Ausbrüche auf der Sonne. «Seine Funktion besser zu erforschen und das Weltraumwetter genauer zu erfassen, ermöglicht uns Rückschlüsse für das Leben auf unserem Planeten.»

Trotz des Schutzschildes dringen manchmal Teilchenschauer bis in die Atmosphäre vor. Die Folgen können vielfältig sein: Stromnetze brechen zusammen, Computer spielen verrückt, Navigationsnetze werden gestört. Auch diese Störungen soll die «Swarm»-Mission untersuchen.

Hinweise zum Klimawandel erwarten die Experten ebenfalls, ebenso Informationen zur Vorhersage von Erdbeben und für die Suche nach Bodenschätzen. «Mit "Swarm" könnte es möglich ein, magnetisierte Bodenschätze zu finden», erläuterte Diekmann.

Die vom Raumfahrtunternehmen Astrium gebauten Satelliten umkreisen die Erde in Dreiecksformation komplett. «Hochpräzise Messsensoren werden bisher noch nicht verfügbare Daten liefern», sagte der Astrium-Manager in Friedrichshafen, Eckard Settelmeyer.

Unter die Lupe nimmt «Swarm» zudem das Wandern des Erdmagnetfeldes. Es kann auch zu einer Polumkehr kommen, das letzte Ereignis dieses Ausmaßes liegt rund 780 000 Jahren zurück. «Das Schwächeln des Erdmagnetfeldes ist ein Hinweis auf einen nächsten Wechsel», sagte Diekmann. Das könnte in den nächsten 4000 Jahren sein. Wie gefährlich wird das? «Wir warten ab, was kommt.» Untergangsszenarien seien aber fehl am Platz.